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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 636 -
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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel636 Sigismund Zapolyas hinzunehmen134. Wenn er das als Zustimmung zu einer an ihn gerichteten Bitte der Stände Siebenbürgens darstellte, kaschierte er, daß ihm jene den Gehorsam aufgekündigt hatten135. Zweifellos war die Rückkehr der Zapolya für Ferdinand ein kleineres Übel als eine Besetzung des Landes durch die Türken. Am 15. Juni bestätigte er offiziell das von seinen Gesandten der Pforte mitgeteilte Zugeständnis, verband es aber nochmals mit der Erwartung, daß ihm jene festen Plätze in Siebenbürgen, die von seinen Truppen noch ge- halten wurden, belassen und keine Ansprüche zugunsten Zapolyas auf Orte in Restungarn erhoben würden136. Vor den Zapolya und Polen suchte Ferdinand diese Schlappe zu verbergen. Im Frühjahr 1556 waren, als Königin Bona während einer Reise Wien berühr- te137, doch noch Gespräche über den Ausgleich mit Isabella zustande gekom- men, an denen auch ein Bevollmächtigter Sigismund Augusts teilnahm138. Fort- schritte wurden jedoch nicht erzielt: Ferdinand beharrte auf seinen Bedingun- gen – Isabella und ihr Sohn sollten öffentlich erklären, sie hätten sich mit ihm geeinigt und wollten nicht nach Ungarn zurückkehren, und sie sollten sich von ihren Parteigängern in Siebenbürgen distanzieren139 –; Forderungen, die nur Isabella selbst bewilligen konnte. Ob er glaubte, daß die Zapolya doch noch einlenken würden, seine Strategie noch eine Chance hätte? Denn einen Tag, bevor er jene erste Weisung zum Rückzug für die Gesandten am Bosporus ausfertigte, verlängerte er – auf Wunsch Bonas – die Frist zur Stellungnahme für Isabella140. Indessen wurde die Dame von französischer Seite auf dem laufenden gehalten141. Am 17. Mai lehnte sie Ferdinands Angebote als unzumutbar ab142 und ließ ihren Bruder wissen, es gäbe kein anderes Mittel zur Lösung des unga- rischen Problems, als daß der Römische König dem Verlangen des Sultans ent- spräche. Ferdinand mußte zwar einsehen, daß er Siebenbürgen nicht behaupten konnte, weil er keine internationale Hilfe erwarten durfte143. Da er aber nicht weiter zurückgehen wollte als unbedingt nötig, wurde die gescheiterte Taktik, Polen und die Zapolya zur Unterstützung seiner Linie gegenüber den Türken 134 Laszlo, S. 190ff, bes. S. 193f 135 Huber, Geschichte 4, S. 185 136 Laszlo, S. 197ff 137 Sie wurde von Ferdinand zum Frühmahl empfangen (BHStA München, KÄA 4306, fol 55: „Zeitung“ aus Wien v. 28.2.1556). 138 Mit der Begründung, Isabella habe ihre Neigung zur Verständigung dadurch bewiesen, daß sie bisher nicht nach Siebenbürgen gegangen sei (HHStA Wien, Polonica 8 Konv. 3, fol 4r-6v: Wer- bung des polnischen Gesandten Grabowieczki bei Ferdinand am 28.2.1556). 139 Sie sind sowohl in seiner Resolution enthalten, die Bona übergeben wurde, als auch in der Ant- wort an Grabowieczki, die in aller Breite den Verlauf des Konflikts aus der Sicht Ferdinands darlegen (HHStA Wien, ebda, fol 8r-13r bzw. 15r-25r: Konzepte v. 28.2. bzw. 4.3.1556). 140 Ebda, fol 33r/v + 35r/v: Antwort v. 18.3.1556 an den Sekretär Bonas. 141 Ribier 2, S. 638ff 142 „Nam ad ultimum conditiones tales offeruntur, quae enim non sint tolerabiles, ni neutram partem utiles esse possunt.“ (HHStA Wien, ebda, fol 44r-45v: Antwort der Königin von Ungarn an Grabowieczki, Kopie; das Zitat fol 44v) 143 Papst Paul IV. hatte seine Bitte um Hilfe abgewiesen (Brown 6,1, S. 467: Navagero an den Senat, 30.5.1556; Lutz, Christianitas, S. 463). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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