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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 644 -
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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel644 verwendet werden sollten203. Indessen bereitet die Vorstellung Schwierigkeiten, daß Ferdinand nach seinen jahrzehntelangen Erfahrungen mit der Willfährig- keit der deutschen Reichsstände, Türkenhilfe zu leisten, jetzt geglaubt haben soll, sie würden ihm eine derartige Umwidmung gestatten204, mußte er doch bei einigen immer noch die in Augsburg zu defensiven Zwecken bewilligten Gelder anmahnen205. Die Nachrichten von der Seeniederlage der Spanier vor Djerba und der Verhaftung Bajezids in Persien entzogen solchen Gedanken wenig später die Grundlage, jetzt überwog wieder die Sorge vor einem türkischen Angriff, und es wurde als Nachteil empfunden, daß die Verhandlungen in Kon- stantinopel nicht vorangekommen waren206. Für kurze Zeit scheint Ferdinand sogar eine türkische Kriegserklärung befürchtet zu haben207. Die von Sickel in den Wiener Akten gefundenen Entwürfe für Hilfsgesuche an alle größeren europäischen Mächte, die er der zweiten Hälfte des Jahres 1560 zuordnete, stehen vermutlich im Zusammenhang mit diesen Sorgen, insbeson- dere mit Erwägungen, einen Reichstag einzuberufen208; denn die Reichsstände hatten ja stets verlangt, daß der Kaiser sich auch um die Hilfe der anderen christlichen Herrscher bemühen solle. Doch sind die Schreiben anscheinend nicht expediert worden209, vielmehr wandte sich Ferdinand im Oktober gegen die Absicht des Papstes, in der Berufungsbulle für das Konzil den Krieg gegen die Türken zu erwähnen, weil er die Möglichkeit zu Verhandlungen mit ihnen offen halten wollte210. In einem Bericht von Ende August war Busbecq zu dem Ergebnis gekommen, an der Pforte sei man trotz aller Verzögerungen mehr am Frieden als am Krieg interessiert211. Darum weigerten sich Ferdinand und Ma- ximilian, auf die päpstliche Initiative zu Beginn des Jahres 1561 einzugehen, eine allgemeine Liga gegen die Türken zu schaffen212. Wenn Ferdinand gleich- zeitig Arco in Rom die Weisung erteilte, dem Papst zu erläutern, er halte es für seine Pflicht, auf eine Zusammenarbeit der Flotten Spaniens und Frankreichs im Mittelmeer hinzuarbeiten, und dafür um diskrete Unterstützung der Kurie nachsuchen ließ213, gab er zu verstehen, daß er dem Papst in politischen Fragen die Führung der Christenheit nicht zu überlassen gedachte. Neue in Europa 203 CDI 98, S. 147f: Bericht Lunas v. 8.6.1560; ähnlich Soranzo am 20.4.1560, der als Ziel angibt, Siebenbürgen vor der Eroberung durch die Türken zu bewahren (VD 3, S. 143). 204 Der Bericht Soranzos v. 31.5.1560 deutet solche Bedenken an (VD 3, S. 147f). 205 HHStA Wien, RHRP 17, fol 198v: Kurfürst Friedrich von der Pfalz soll nochmals zur Zahlung aufgefordert werden (Eintrag zum 28.5.1560 mit Zeichen des Sekretärs, daß der Beschluß in Anwesenheit des Kaisers gefaßt wurde). 206 BHStA München, KÄA 4461, fol 19r: Maximilian an Herzog Albrecht, 5.7.1560 (eigh.); CDI 98, S. 155ff: Bericht Lunas v. 3.7.1560; vgl. damit den Bericht Soranzos v. 12.7.1560 (VD 3, S. 151), der die Dinge offenkundig nicht durchschaute. 207 VD 3, S. 152 mit Anm. 1 208 Erste Belege aus dem Herbst 1560 (Sickel, Konzil, S. 120; VD 3, S. 155) 209 Sickel, Konzil, S. 155; ein Entwurf für ein Hilfsgesuch an Philipp II. auch in HHStA Wien, St- Abt., Spanien Hofkorr. 2, fol 9r/v (undatiert, von späterer Hand 1560 zugeordnet). 210 NB II 1, S. 142f: Bericht Delfinos v. 15.10.1560 211 Vom 30.8.1560, eingehend referiert von Martels, S. 262f 212 NB II 1, S. 193; vgl. auch den Bericht Arcos v. 8.12.1560 bei Sickel, S. 150f 213 Referat der Weisung v. 5.1.1561 bei Sickel, Konzil, S. 155; ebda, S. 175 der Hinweis auf einen Dank des Kaiser für die päpstliche Erfüllung seines Wunsches. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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