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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 655 -
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Italien 655 rechtskräftig298. Über die Zusagen, die Ferdinand gemacht hatte, ging sie erheb- lich hinaus, denn er hatte die Übertragung der Rechte nur für seine eigene Le- benszeit versprochen. Mit guten Gründen bezeichnete Arras ein Jahr später die Verfügung des Kaisers als rechtlich schwach fundiert299. Ob Ferdinand je offi- ziell von dem Dokument erfahren hat, ist unbekannt und wenig wahrscheinlich. Es gibt Indizien, daß Philipps II. Bemühungen um das Reichsvikariat schon kurz nach der Abreise Karls nach Spanien eingesetzt haben; Gerüchte darüber kamen im Spätherbst 1556 Zasius in Regensburg zu Ohren, der überdies mel- dete, allem Anschein nach seien alle Kurfürsten dagegen300. Möglicherweise hat dieser Bericht Ferdinands Entscheidung beeinflußt, als er das ihm im Dezember vorgetragene Ersuchen Philipps ablehnte, dem Trienter Bischof Madruzzo als Statthalter von Mailand eine allgemeine Vollmacht zu erteilen, gegen kleine benachbarte Lehnsträger des Reiches im Bedarfsfall Strafmaßnahmen ergreifen zu dürfen301. Wenn Philipp im März 1558 unmittelbar nach dem Wechsel im Kaisertum auf eine Anspielung des – an der Sache naturgemäß interessierten – venezianischen Botschafters, ob er kaiserliche Vollmachten in Italien haben wolle, noch mit einem Dementi reagierte302, dann sicher aus taktischen Grün- den. Doch im Mai schickte Philipp einen Sonderbotschafter nach Wien, um die Einlösung jener Abmachungen einzufordern. Berücksichtigt man die militäri- sche Situation im Sommer 1558 im Krieg mit Frankreich und Philipps finan- zielle Probleme303, dann erscheint die umgehende Anmahnung bei Ferdinand konsequent. Durch den Wortlaut der Verschreibung von 1551 war sie hinrei- chend gedeckt. In der Instruktion für Don Alvaro de la Quadra, Bischof von Aquila304, wurde auf Anraten des Bischofs von Arras nicht auf die Urkunde Karls V. vom Januar 1556 zurückgegriffen305. Philipp deutete die aktuellen politischen Pro- bleme nur an, vornehmlich wiederholte er die vermeintlichen Vorteile, welche die Übertragung des Reichsvikariats auf ihn für die Position des Kaisers bringen würde; im Unterschied zum Wortlaut der Reverse von 1551 benutzte Philipp „Vicario“ und „Vicariato“ dreimal und ersuchte um die öffentliche Bestätigung seiner Einsetzung, die ja bisher nur im engsten Kreise besprochen worden war. Indessen war die Erinnerung an Ferdinands Widerstand wach genug, um Qua- dra anzuweisen, nicht zu insistieren, wenn der Kaiser Einwände erhebe, und diesen Verhandlungsgegenstand vor Maximilian und seiner Gemahlin Maria geheimzuhalten. Der Vorstoß Philipps scheint Ferdinand im ersten Augenblick irritiert zu haben, dann aber machte er keinen Hehl aus seiner Meinung, damals zu einer 298 Lutz, Christianitas, S. 412 u. S. 419; Maurenbrecher, HZ 50, S. 26f; Turba, Beiträge 3, S. 282f 299 Gachard, Retraite 1, S. 142 Anm. 1 und 2 300 HHStA Wien, RK RTA 38, fol 62: Eigh. Beilage zum Schreiben v. 19.11.1556 301 Maurenbrecher, HZ 50, S. 48f mit Nachweisen 302 Brown 6/3 (Nr. 1200), S. 174f: Bericht Surianos v. 20.3.1558 303 Zur Kriegslage Braudel 3, S. 71f 304 Die wichtigsten Quellen zur Mission Quadras in CDI 98, die spezielle Instruktion zu dieser Frage S. 11ff (zum Teil übersetzt bei Kohler, Gesamtsystem, S. 28f). Darstellung bei Maurenbre- cher, HZ 50, S. 58ff 305 Maurenbrecher, HZ 50, S. 57 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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