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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 659 -
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Italien 659 und behauptete, es wäre dann nicht zu jener Eskalation mit Genua gekommen und Zwischenfälle wie Pitigliano würden vermieden327. Aber Ferdinand wollte davon nach wie vor nichts wissen. Er vertrat die Auffassung, wegen der Ver- werflichkeit der die kaiserliche Reputation beschädigenden genuesischen Ak- tionen sei Philipp schon aufgrund seiner reichsfürstlichen Stellung als Herzog von Mailand und außerdem aus Familiensolidarität verpflichtet, „in sachen so die administration des italienischen reichs [!] belangen, getrewe hilff und bei- standt zu erzaigen“, zumal es doch seinen eigenen Interessen dienlich sei, Ge- nua in die Hand zu bekommen328. Ebenso erwartete er von seinem Neffen di- plomatische Unterstützung, damit Herzog Cosimo das besetzte Pitigliano wie- der räume329. Erörterungen über das Reichsvikariat begegnete Ferdinand mit seinen alten Einwänden: Der angeblichen Abneigung der Deutschen, insbeson- dere der Kurfürsten, gegen die Übertragung an Philipp, und dessen Abwesen- heit von Italien. Sein Versprechen, noch einmal über die Sache nachdenken zu wollen, und die Versicherung, wenn Philipp sich persönlich nach Italien bege- ben würde, werde er seine Bedenken zurückstellen, waren Ausweichmanö- ver330. Luna schlug seinem König deshalb vor, durch „Verehrungen“ die ein- flußreichsten Räte des Kaisers, Seld und Trautson, zur Unterstützung des Pro- jektes zu veranlassen, und Philipp stimmte zu. Die erhoffte Wirkung trat jedoch nicht ein, weil Ferdinand die Sache gar nicht mit seinen Räten erörterte331. Schließlich nahm er Luna das Versprechen ab, über das Thema keinesfalls mit Maximilian oder anderen zu reden, weil das inopportun sei332. Damit schob er der – etwas naiven – Absicht Philipps einen Riegel vor, den Thronfolger, even- tuell unter Mithilfe seiner Gemahlin, für die Übertragung zu gewinnen333. Als Philipp sein Eingreifen in Genua immer weiter verzögerte, obwohl ein neuer Versuch des Kaisers, seinem Spruch bei der Republik Geltung zu ver- schaffen, wiederum gescheitert war334, beschwerte sich Ferdinand Anfang 1563 heftig und erwog sogar, ihm eine Frist zu setzen335. Philipp beantwortete die Vorwürfe mit dem Hinweis, wegen der Sicherheit der spanischen Besitzungen in Italien im allgemeinen und der strategischen Bedeutung Korsikas, das zu Genua gehörte, im besonderen wären gute Beziehungen zu der Republik für ihn von elementarer Bedeutung336. Im Sommer 1563 war Ferdinand schon ent- 327 Bericht Lunas v. 25.2.1562 (CDI 98, S. 293f) 328 So in der Anm. 319 genannten Expertise; das Zitat fol 13r. Schon 1558 hat Ferdinand auf Phil- ipps Pflicht zur Unterstützung des Kaisers aufgrund seiner Eigenschaft als Lehnsträger des Rei- ches verwiesen (CDI 98, S. 26). 329 CDI 98, S. 298: Luna an Philipp, 26.2.1562 330 Vgl. nur CDI 98, S. 295 331 CDI 98, S. 310 (Luna an Philipp, 29.3.1562), S. 345 (Philipp an Luna, 4.7.1562), S. 356 (Luna an Philipp, 16.8.1562) 332 Luna an Philipp, 24.8.1562 (ebda, S. 362) 333 Weisung Philipps an Luna v. 4.7.1562 (CDI 98, S. 344f) 334 Edelmayer, Maximilian, S. 12 335 Ein von Seld bereits gegengezeichnetes, vom Kaiser nicht ausgefertigtes Mahnschreiben (Kon- stanz, 23.1.1563) enthielt die Aufforderung, spätestens 15 Tage nach Empfang Bescheid zu geben (HHStA Wien, Spanien, Hofkorr. 2, fol 21r-22r). Sie fehlt in dem endgültigen Text v. 3.2.1563 (CDI 98, S. 399–401 = CDI 2, S. 587–590). 336 CDI 98, S. 423ff: Philipp an F., 2.3.1563, bes. S. 424 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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