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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 664 -
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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel664 kam es deswegen zu einem Eklat, als die Reichsstände ein an sie gerichtetes Schreiben Heinrichs II. offiziell zur Kenntnis nahmen370, ohne Ferdinand vor- her zu informieren. Im Blick auf die anstehende Religionsfrage und wegen sei- ner Probleme in Ungarn befürwortete dieser zwar durchaus Friedensgespräche des Kaisers mit Frankreich371, die dann Ende Mai in Marcq zustandekamen, aber eigenständige Verhandlungen der Reichsstände mit dem Gegner des Kai- sers erachtete er nicht für statthaft372. Es kostete ihn einige Mühe, sie davon zurückzuhalten373. Mit seiner Zustimmung kam es stattdessen im Juni 1555 zu einer Empfehlung der Reichsstände an Karl V., er solle in Marcq die Forderung nach Freigabe der drei Stifte und Städte erheben374. Jedoch war die Konferenz, ehe das ständische Schreiben in Brüssel eintraf, schon ergebnislos abgebrochen worden375. Schließlich konnte Ferdinand den Erfolg verbuchen, daß die Stände ihre Antwort an Heinrich II. ganz im Sinne der Habsburger gestalteten: Vor jeder anderen Erörterung verlangten sie außer der Restitution der drei Bistümer auch die von Teilen des Bistums Lüttich und des Herzogtums Lothringen376, wobei Ferdinand mit verschärfenden Vorschlägen in die Redaktion des Schrei- bens eingriff377. Im innerhabsburgischen Meinungsaustausch hatte dieser Punkt dagegen keine Bedeutung. Als im Winter neue Verhandlungen mit Frankreich geführt wurden, drängte Ferdinand den Kaiser, auf jeden Fall abzuschließen, und zwar wiederum wegen der Lage auf dem Balkan, denn er konnte nicht abschätzen, ob er ein längerfristiges Abkommen mit dem Sultan erreichen wür- de378. Die Aufnahme eines Hilfeversprechens für Ferdinand gegen die Türken lehnten die Franzosen aber als diskriminierend ab, weil ihr König selbstver- ständlich sein Bestes zum Wohle der Christenheit gebe379. Im für die Dauer von fünf Jahren abgeschlossenen Waffenstillstand von Vaucelles (5. Februar 1556) verzichtete die kaiserliche Seite schließlich auf die sofortige Restitution aller beiderseitigen Eroberungen380, so daß Heinrich II. das 1552 genommene Pfand behalten konnte381. 370 Inhaltsangabe bei Platzhoff, Frankreich, S. 451 und PCSS 5, S. 592 Anm. 2; vgl. Luttenberger, Karl V., S. 209 371 HHStA Wien, Hs blau 597/3, fol 277r-279v: F. an Karl, 7.3.1555; ebda., fol 291r-292v: F. an Karl, 25.6.1555 372 Diese Position hat er schon 1529 vertreten (vgl. Luttenberger, Karl V., S. 197). 373 Lutz/Kohler, S. 56; Druffel 4, S. 594f (die fehlerhafte Datierung bei Bucholtz 7, S.219f korrigie- rend); Trefftz, S. 128f; Lutz, Christianitas, S. 366 374 Lutz/Kohler, S. 66f mit Anm. 129 u. 130; Zeller, Réunion 2, S. 32 375 Zum Ende der Konferenz von Marcq s. Lutz, Christianitas, S. 393f 376 Seit 1552 stand Lothringen praktisch unter französischem Protektorat, der unmündige Herzog war zur Erziehung nach Paris gebracht worden (vgl. Fitte, S. 47). 377 Auszug aus dem Schreiben der Stände v. 10.9.55 bei Zeller, Réunion 2, S. 322; zu Ferdinands Einwirken Lutz/Kohler, S. 140f, Friedensburg, S. 74, Lutz, Christianitas, S. 434. Luttenberger, Karl V., S. 209 ist auf Ferdinands Teilerfolg nicht eingegangen. 378 Lanz, Corr. 3, S 694ff: F. an Karl, 27.11.1555; zur Situation vgl. oben S. 633f 379 Weiss 4, S. 539 380 Lutz, Christianitas, S. 446f 381 Die Mehrheit der Bürger von Metz hat nach Zeller 2, S. 19f u. S. 38f, kein Interesse an der Re- stitution gehabt. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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