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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 667 -
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Beziehungen zu Frankreich 667 sich konform zu den Bestimmungen des Landfriedens. Erst nach dem Wieder- ausbruch des Krieges zwischen Spanien und Frankreich genehmigte er spani- sche Reiteranwerbungen auf Reichsgebiet mit der Begründung, dem Reichsle- hen Mailand drohe von Frankreich Gefahr395. Die Erlaubnis wurde ein Viertel- jahr später auf Fußtruppen erweitert, doch bat er Philipp darum, mit Rücksicht auf die Reichsstände die Musterplätze auf niederländischem Boden in Reichsnähe anzusetzen396. Dann aber lösten Nachrichten über die Kontakte Maximilians mit französi- schen Agenten und über Werbungen französisch gesinnter Fürsten oder Offi- ziere im Reich in Brüssel Befremden aus397. Ferdinand beeilte sich klarzustellen, daß er jene Werbungen nicht nur nicht billigte, sondern im Interesse von Ruhe und Frieden im Reich auch Order an etliche Fürsten gegeben hatte, dagegen einzuschreiten398. In den folgenden Monaten wiederholte er diese Mahnungen gelegentlich399, unterbinden konnte er die französischen Umtriebe nicht. Neue Begegnungen Maximilians mit dem französischen Agenten Virail duldete er nicht, sondern verweigerte das beantragte Geleit400. Herzog Christoph kriti- sierte die Entscheidung, weil seiner Meinung nach die Herstellung guter Kon- takte die Chance geboten hätte, zwischen Philipp II. und Heinrich II. einen Frieden zu vermitteln, stünde das Reich doch nicht im Krieg mit Frankreich, aber Ferdinand ließ sich nicht umstimmen401. Seinerseits erwog er, die französi- schen Praktiken im Reich als Argument einzusetzen, um von den Kurfürsten die Zustimmung zu einem neuen Reichstag zu erlangen, der im Herbst 1557 zusammentreten sollte402. Schon berichtet wurde, daß Ferdinand im Spätherbst 1557 selbst eine Vermittlung plante und wie er, nachdem er den Gedanken hatte aufgeben müssen, anläßlich seiner Übernahme der Kaiserwürde die Frage, wie man die entfremdeten Reichslehen an der Westgrenze zurückbekommen könne, an die Kurfürsten herantrug403. Als er von der Aufnahme von Präliminargesprächen für einen Friedensschluß zwischen Spanien und Frankreich erfuhr, ließ er Philipp II. seinen Wunsch wissen, darin eingeschlossen zu werden404. Ob das ausführliche Gutachten, das Seld zu allen im Rahmen einer Vermittlung zwischen Spanien und Frankreich 395 Vgl. das diesbezügliche Mandat Ferdinands, Regensburg, 7.1.1557, in HHStA Wien, Belgische Korrespondenz 1, fol 11–12. – Am 12.12.1556 gab Ferdinand Weisung, die Grenzen zu Venedig zu befestigen, weil Gefahr bestehe, daß die Signorie auf seiten Frankreichs in den Krieg eintrete (Brunner 5, S. 458ff). 396 HHStA Wien, ebda, fol 50–51: F. an Philipp, 9.4.1557 397 Zum Ausmaß der französischen Verbindungen mit deutschen Fürsten und Truppenführern vgl. das von Pariset, La France, S. 295ff, publizierte Memoire vom Dezember 1557. 398 So in seinem Brief v. 9.4.1557 an Arras, HHStA Wien, Spanien, Dipl. Korr.5, fol 102f (Konz.) 399 So zweimal bei Kurfürst August von Sachsen, vgl. Trefftz, S. 149 Anm. 6 400 Ernst, Bw. 4,S. 331: Maximilian an Christoph, 15.5.1557; vgl. Holtzmann, S. 307–309; siehe auch Ferdinands Schreiben an Arras v. 7.6.1557 bei Weiss 5, S. 83f. Arras hatte in eigh. Nachschrift zu seinem Brief v. 16.5.1557 deswegen angefragt (HHStA Wien, Belgica 88, fol 25r). 401 Briefe Christophs an Maximilian v. 24. und 25.5.1557 (Ernst Bw. 4, S. 339f); Maximilians Ant- wort v. 11.6.1557 (ebda, S. 348) 402 Weiss 5, S. 101ff: F. an Philipp II., 23/24.6.1557; s. auch Kapitel 3, S. 222 403 s. oben S. 620f und Kapitel 3, S. 249 404 CDI 98, S. 39: Quadra an Philipp II., o.D. [September 1558 ?] CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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