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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 670 -
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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel670 tertanen der drei Städte und Stifte in gleicher Weise dem Reich und der Krone Frankreich „mit pflichten verwandt pleiben und sein sollten“, zu behandeln sei. Der Gedanke der doppelten Verpflichtung war als unziemlich und ungewöhn- lich abzulehnen. Ein etwaiges Anerbieten, die Pflichten gegenüber dem Reich übernehmen zu wollen, sollte zwar für unannehmbar erklärt werden, doch wenn der König darauf beharren würde, sollte die Gesandtschaft neue Weisung einholen423. Insgesamt hatte die Gesandtschaft nur geringen Spielraum für Ver- handlungen. Im Falle einer glatten Weigerung sollte sie erklären, die Forderung von Kaiser und Reich bleibe unvermindert bestehen, und zurückkehren. Indes- sen mußte die diplomatische Aktion des Reiches zurückgestellt werden, weil vorher ein Kondolenz- und Gratulationsgesandter nach Frankreich reisen mußte. Im Blick auf die religiöse Situation in Frankreich, die durch die letzten huge- nottenfeindlichen Maßnahmen Heinrichs II. noch spannungsreicher geworden war, mußte es tunlich erscheinen, von Anfang an die Kontakte zu der neuen Regierung zu verbessern, zumal der wenige Wochen später eingetretene Tod Pauls IV. neue religionspolitische Perspektiven eröffnete. Es war abzusehen, daß der noch sehr junge Nachfolger Franz II. von Ratgebern abhängig sein würde, fraglich war aber, welche Persönlichkeiten – und damit welche Partei – den entscheidenden Einfluß auf ihn gewinnen würden: Der König von Navarra Anton von Bourbon424, der als nächster Agnat zur Vormundschaft berechtigt war, falls eine solche noch erforderlich war, oder Katharina von Medici, die Mutter, oder der Kardinal von Lothringen und sein Bruder, Herzog Franz, aus der Familie der Guisen, die Verwandten der Gemahlin des neuen Königs, Maria Stuart, die seine Selbstregierung befürworteten425. Der Kondolenzgesandte Wilhelm Truchseß von Waldburg erhielt nicht nur die Weisung, Franz II. selbst und seine Mutter zu einer festen katholischen Haltung zu ermutigen und darin die Unterstützung des Kaisers zu versprechen, sondern er hatte bei allen Per- sönlichkeiten, die als Mentoren des Königs in Frage kamen, Besuche zu machen und die freundschaftliche Gesinnung des Kaisers gegenüber Frankreich anzu- zeigen426. Außerdem wurde die Chance genutzt, um den im Frieden von Ca- teau-Cambrésis mißachteten Führungsanspruch des Kaisers auf dem Felde der Konzilspolitik zu demonstrieren427: Waldburg sollte sowohl den König als auch Anton von Bourbon darauf hinweisen, es sei an der Zeit, gemeinsam mit dem 423 In diese Richtung mögen französische Überlegungen gegangen sein, denn bei einem Besuch in Stuttgart, während der Reichstag noch tagte, schlug der französische Agent Virail Herzog Chri- stoph vor, König Heinrich die fraglichen Gebiete zu Lehen zu geben (Goetz, Beiträge, S. 158: Christoph an Albrecht, 12.6.1559); Christoph erwiderte Virail, es wäre eine schlechte Sache, ein gewaltsam okkupiertes Gebiet hinterher als Lehen verliehen zu bekommen. Vgl. auch Zeller 2, S. 26f. 424 Er wurde am Kaiserhof als zuverlässiger Katholik betrachtet; zu seiner ambivalenten religiösen und politischen Haltung vgl. Sutherland, Antoine de Bourbon, passim. 425 Meyenhofer, S. 158; Heidenhain, Beiträge, S. 90 referiert Ausführungen Selds vor dem Reichstag zu dieser Frage. 426 HHStA Wien, Spanien Dipl. Korr 1, fol 65r-76v: Instruktion v. 26.7.1559, Konz. 427 Der Frieden enthielt die Vereinbarung, die beiden Könige sollten sich um ein Konzil bemühen, ohne den Kaiser auch nur zu erwähnen (Russell, S. 200; Fischer, S. 45). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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