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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 671 -
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Beziehungen zu Frankreich 671 Kaiser und anderen christlichen Fürsten für die Ansetzung und Durchführung eines freien und universalen Konzils einzutreten, wie im Vertrag zwischen den beiden katholischen Herrschern vorgesehen428. Insofern stellt sich die Frage, ob nach dem Thronwechsel in Frankreich die beschlossene Reichsaktion den poli- tischen Zielen Ferdinands nicht eher hinderlich war. Es gibt jedoch keine Indi- zien dafür, daß man am Kaiserhof daran gedacht hätte, die Forderung nach Restitution mit Rücksicht auf die anderen Ziele zurückzustellen. Ehe die Reichsgesandtschaft nach Frankreich aufbrach, gelang den Franzosen ein raffinierter Schachzug. In Wien erschien Anfang November ein französi- scher Orator429 und ersuchte um die Erteilung der Regalien des Stiftes Metz für den Kardinal von Lothringen, Karl von Guise, der das Bistum schon seit meh- reren Jahren innehatte und von Papst Paul IV. bestätigt worden war, inzwi- schen aber aus kirchenrechtlichen Erwägungen auf die Spiritualien verzichtet hatte. Ein Bericht Selds an Herzog Albrecht von Bayern gewährt Einblick in die Überlegungen Ferdinands und seiner Räte430: „damitt dise stifft durch disen weg widerumb zu dem reich gebracht und dannocht der Cardinal darauf in Pflicht genommen“, wurde dem Antrag stattgegeben, obwohl die Belehnung nicht unproblematisch war, weil darin ein Präjudiz für die Anerkennung fran- zösischer Maßnahmen in Stift und Stadt Metz gesehen werden konnte431. Maß- gebend war die Erwägung, „ob schon ir Mt. die sach difficultieret, so wurden dannocht dise leutt die stifft behalten und irer Mt. die finger weisen. Mitt dem wurd irer Mt. reputation geschmelert und die stifft allgemach dem reich gar entzogen“. Realistisch war auch die abschließende Bemerkung des Reichsvize- kanzlers, Ferdinand würde ja gern energischer handeln, indessen „ist doch nie- mands, der von irer Mt. und des reichs wegen gern ainen sattel auflegte“. Die Annahme, auf diese Weise die Rückkehr der lothringischen Stifte ins Reich fördern zu können, war eine Fehlkalkulation. Vielmehr wurde die Beleh- nung des Kardinals von Lothringen mit dem Stift Metz zwei Monate später von Frankreich als Trumpf gegen die Restitution ausgespielt. Nach betont freundli- chem Empfang erhielten die Gesandten des Reiches, Ludovico Madruzzo, Koadjutor des Bischofs von Trient432, und Graf Ludwig von Stolberg- Königstein433, am 27. Januar 1560 in Blois Audienz bei Franz II., und Madruz- 428 wie Anm. 426, fol 70v u. fol 74r 429 Fischer, S. 50; die Meldung des englischen Gesandten in Frankreich, es werde zum Kaiser ge- schickt, um ein Bündnis zustandezubringen „and to conduce to a good end the controversies for the imperial towns in the Frenchmen’s hands“, war spekulativ (Stevenson 1, S. 588). 430 Schreiben v. 3.11.1559 (BHStA München, KÄA 4306, fol 298r/v, eigh.); daraus auch die beiden nächsten Zitate. 431 Vgl. VD 3, S. 118: Bericht Soranzos v. 13.11.1559 432 Zu seiner Karriere Steinhauf, S. 32 433 Akten zu ihrer Mission in HHStA Wien, RK Rig 36, fol 93–105; dgl. ebda, Frankreich Varia 4, Konv. 1560/61, fol 2–14; gedruckt bei Sudendorf, S. 247–261 und (nach Kopien für den Kurfür- sten von Brandenburg) bei Lambert, S. 339–353. Ich verweise künftig nur noch auf letzteren Druck. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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