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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 675 -
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Beziehungen zu Frankreich 675 chen Alter Karls IX. mußte es zu einer Regentschaft kommen. Wie beim letzten Thronwechsel hatte der kaiserliche Kondolenzgesandte – diesmal Nikolaus von Pollweiler – alle einflußreichen Persönlichkeiten aufzusuchen und sie zu er- mahnen, zum Wohl Frankreichs und der katholischen Christenheit zur Wah- rung des inneren Friedens beizutragen454. Sowohl die Besuche, die der französi- sche Sondergesandte, der den Dank des neuen Königs nach Wien zu bringen hatte, bei mehreren protestantischen Reichsfürsten abstattete455, als auch die Konzessionen, welche die Regentin Katharina von Medici in den ersten Mona- ten ihrer Tätigkeit zur Sicherung ihrer Position den Hugenotten machte456, erregten Mißtrauen und Besorgnis bei Ferdinand. Die Ankündigung, im August solle eine Versammlung französischer Theologen stattfinden457, wirkte als Si- gnal, daß die von Frankreich in den Auseinandersetzungen um die Berufung des Generalkonzils schon mehrmals als Druckmittel eingesetzte Drohung mit ei- nem Nationalkonzil, die er für unangebracht hielt, demnächst realisiert werden sollte. So entschloß er sich zu einem persönlichen Appell an seine „bonne seur“458, dem er besonderes Gewicht verlieh durch eigenhändige Abfassung und durch Berufung auf sein Amt als „catholique Empereur et premier chief seculie- re (bien indigne) de l’universelle chrestiente“, weshalb ihn die religiösen Zu- stände in Frankreich nicht gleichgültig lassen dürften459. Der diplomatische Takt ließ seine Kritik jedoch verhalten und seine praktischen Ratschläge recht dürftig ausfallen. Die Warnung vor Zugeständnissen an die Hugenotten wurde mit der Feststellung umschrieben, wo die katholische Religion nicht hochge- halten werde, gehe alle Ordnung zugrunde; unter Berufung auf seine leidvollen Erfahrungen im Reich empfahl er, insbesondere die Verbreitung von Büchern der „Sektierer“ in Frankreich zu unterbinden und gegen Leute an ihrem Hof, die verdächtigen Lehren zuneigten, energisch vorzugehen. Das „Nationalkon- zil“ erwähnte Ferdinand in diesem Schreiben mit keinem Wort. Desto deutli- cher wurde er einige Wochen später, als er Katharina – deren Antwort er an- scheinend noch nicht hatte – vorhielt, nachdem der Papst ein Generalkonzil einberufen und die führenden katholischen Mächte, zuletzt auch der König von Spanien, die Einberufungsbulle akzeptiert hätten, sei ein Nationalkonzil unge- wöhnlich und skandalös, und noch skandalöser sei, daß einem Gerücht zufolge Calvin „et aultres ses complices“ dort auftreten sollten; in beschwörendem Ton mahnte er sie, ja kein Nationalkonzil zu veranstalten460. Ein weiteres Motiv bei der Intervention war möglicherweise die Annahme, eine eindeutige Erklärung 454 Kondolenzschreiben Ferdinands und Maximilians an Anton v. Bourbon v. 29.12.1560 sowie die Antworten Katharinas, Karls IX. und mehrerer französischer Großer bei Sudendorf 3, S. 265ff 455 Evenett, S. 225 mit Nachweisen 456 Fischer, S. 178; Sutherland, Antoine de Bourbon, S. 66 457 Fischer, S. 200 458 HHStA Wien, Frankreich Hofkorr. 1, fol 4r-5v: F. an Katharina, 3.6.1561 (Kopie); deutsche Fassung in BHStA München, KÄA 4386, fol 131r-135r, irrtümlich auf 3.6.1560 datiert, mit dem Zusatz, der Kaiser habe das Schreiben eigenhändig geschrieben, wegen seiner schlechten Hand- schrift dann von einem Sekretär abschreiben lassen. 459 Der Bescheidenheitstopos ist überraschend. 460 HHStA Wien, Frankreich Hofkorr. 1, fol 6r/v: F. an Katharina, 15.7.1561, Kopie CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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