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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 676 -
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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel676 Frankreichs, das Universalkonzil zu beschicken, werde auf manche deutsche Protestanten vorbildhaft wirken461. Katharina lag nichts ferner, als auf die Ratschläge und Ermahnungen des Kai- sers einzugehen. In ihrer Antwort beteuerte sie wortreich, sie denke nicht dar- an, etwas zu tun oder zu akzeptieren, was eine Änderung der Religion fördern würde. In diesem Licht ließ sie auch die für den 20. Juli nach Paris einberufene Kirchenversammlung erscheinen: Dort sollten die französischen Prälaten ge- wählt und instruiert werden, die nach Trient gehen sollten462. Für eine gemein- same Konzilspolitik der beiden Mächte gab es keinen Ansatz, und noch weniger war Katharina willens, dem Kaiser Gefolgschaft zu leisten. Ein um die Jahreswende 1561/62 mehrere Fürstenhöfe besuchender französi- scher Emissär, der um Unterstützung für die französische Konzilspolitik wer- ben sollte, erregte abermals Argwohn, ob Frankreich wie früher ein Bündnis mit den deutschen Protestanten anstrebe, weil man am Kaiserhof zunächst kei- ne Klarheit hatte, mit welcher Seite und zu welchem Zweck eigentlich verhan- delt wurde463. Zunächst vermutete Ferdinand, Anton von Navarra wolle mit Hilfe deutscher Protestanten gegen die französische Krone kämpfen464. Hierin irrte der Kaiser, doch war immerhin zutreffend, daß etliche Protestanten ge- hofft hatten, Navarra, dem eigentlich die Regentschaft in Frankreich zustand, werde in Frankreich die Reformation durchführen465. Vom Kurfürsten von Brandenburg erfuhr man, es habe sich um antihabsburgische Stimmungsmache gehandelt466. Einige kaiserliche Räte in Innsbruck fürchteten sogar um die Si- cherheit Tirols467. Übrigens benötigten die evangelischen Fürsten ebenfalls einige Zeit, um sich in dem französischen Kräftegewirr zurechtzufinden468. Nach dem Ausbruch der Kämpfe behielt Ferdinand seine Linie bei, aktive Intervention fremder Mächte in Frankreich zu verhindern. Das nicht unpro- blematische Ansinnen Herzog Christophs, der ihm unter Anspielung auf das traditionelle Amtsverständnis des Kaisers eine Vermittlung in Frankreich mit dem Ziel eines Religionsfriedens nahelegen ließ469, lehnte Ferdinand mit ge- wichtigen Gründen ab: Er sei von keiner beteiligten Partei zur Vermittlung aufgefordert, eine Ablehnung des Anerbietens sei seinem Prestige abträglich, und außerdem stehe die bisher verweigerte Restitution der drei lothringischen Bistümer einer derartigen Initiative im Wege, denn diese Frage dürfe nicht 461 CDI 98, S. 231: Luna an Philipp, 18.6.1561 462 HHStA Wien, Frankreich Hofkorr. 2, fol 2r-3r: Katharina an F., 30.6.1561 (Kopie); Bochetel erhielt eine entsprechende Sprachregelung (Ferrière 1, S. 208ff). Vgl. auch Fischer, S. 202. 463 Zu der im Auftrag der Regentin Katharina von Medici erfolgten Sendung vgl. Fischer, S. 282ff; den Verdacht am Kaiserhof notierte Delfino (NB II 3, S. 15 u. S. 16). 464 VD 3, S. 200; vgl NB II 3, S. 6 465 Dazu Hauser, passim; Wirsching, S. 344 466 CDI 98, S. 263f: Luna an Philipp II., 24.12.1561 467 Ferdinand nahm das nicht so ernst, vgl. Chmel, Antwort, S. 146f. 468 Wirsching, S. 354f 469 Moser, Wahlkapitulation, S. 818f: Zasius an F., 6.5.1562; Häberlin 4, S. 599f; Kugler, Christoph 2, S. 359 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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