Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 678 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 678 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Bild der Seite - 678 -

Bild der Seite - 678 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text der Seite - 678 -

Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel678 in Frankfurt nur mitbekommen, die Kurfürsten hätten darüber diskutiert, ob wieder eine Gesandtschaft nach Frankreich abgeordnet werden solle, aber über das Ergebnis hatte er nichts Genaues erfahren481. Ilsung überbrachte nicht nur ein Mahnschreiben an den König, sondern auch einen Brief an das Pariser Parlament482. Der Kaiser begründete diesen unge- wöhnlichen Akt damit, er wisse, daß das Parlament in solchen Fragen ein Wort mitzureden habe, und forderte das Gremium auf, den König dahingehend zu beraten, dem Gesandten eine befriedigende Antwort zu erteilen, damit seine Worte und Taten dem Reich gegenüber nicht auseinanderklafften. Das Schrei- ben an den König483 drückte das Befremden von Kaiser und Reich aus, daß die Restitution immer noch nicht erfolgt war, kritisierte die letzte Stellungnahme als zweideutig und dunkel und beanstandete, daß im Widerspruch zu jener Antwort kein einziges die Angelegenheit betreffendes Wort den Frankfurter Konvent von Kaiser und Kurfürsten erreicht habe. Wegen dieses ungewöhnlich langen Schweigens werde die berechtigte Forderung wiederholt. Die am Ende ausgesprochene Erwartung, der König möge diesmal bessere Ratschläge befol- gen, damit Kaiser und Stände nicht genötigt würden, zum Schutz der Rechte des Reiches Maßnahmen zu ergreifen, die sie lieber zu vermeiden wünschten, war eine verklausulierte Drohung484. Ein schärferer Entwurf für das Schreiben hat am Ende einen Hinweis auf die innenpolitischen Wirren in Frankreich ent- halten, der jedoch auf Beschluß des Geheimen Rates gestrichen wurde485. Sinn der Milderung war entweder, den Eindruck zu vermeiden, man wolle die aktu- ellen Schwierigkeiten der Krone Frankreich ausnutzen, oder aber Unsicherheit, ob sich die Lage nach dem Erfolg der Katholiken in der Schlacht bei Dreux zugunsten der Krone stabilisieren werde. So wurde Ilsung sowohl instruiert, zum Sieg von Dreux zu gratulieren, als auch die Briefe von Chantonnay begut- achten zu lassen, ob sie vielleicht zu scharf formuliert wären, um die beabsich- tigte Wirkung zu erzielen486. Chantonnay zögerte jedoch, dem kaiserlichen Emissär an die Seite zu treten, weil er von seinem König keinen Auftrag hatte, und er bezweifelte, daß sich die Regentin von jenen Drohungen beeindrucken lassen würde487. Verhandlungen sollte Ilsung nicht führen, doch sollte er versuchen, die kö- niglichen Räte zu beeinflussen, damit eine eindeutige Antwort zustande käme, und zu erwartenden Ausflüchten sollte er gesprächsweise entgegentreten. Er- folg hatte Ilsung nicht, vielleicht war er seinem Auftrag auch nicht ganz ge- 481 Meyenhofer, S. 365 u. S.372: Bochetel an Katharina von Medici, 2.12. bzw. 9.12.1562 482 AN Paris, K 1500 Nr. 21: F. an das Pariser Parlament, 15.1.1563 (Kopie); vgl, Zeller 2, S. 60 Anm. 4. Ferdinand befolgte damit eine vom Kurfürsten von Trier ausgegangene Anregung (Luttenberger, Kurfürsten, S. 142). 483 Reinkonzept des Schreibens v. 15.1.1563 in HHStA Wien, Frankreich Hofkorr. 1 fol 2r-6r; Kopie in AN Paris, K 1500 Nr. 19; dazu Zeller 2, S. 60. Eine Passage zitiert Sickel Konzil, S. 433. 484 „...ne nobis ac saepedictis electoribus ...[etc]... tandem necessitas imponatur pro tuendis et con- servandis juribus Sacri Imperii eas rationes suscipiendi, quas longe mallemus evitare“ (fol 5v). 485 HHStA Wien, RHRP 20b, Eintrag zum 14.1.1563: „Et in fine non fiat mentio turbati rerum Gallicorum status.“ 486 AN Paris, K 1500 Nr. 28: Instruktion für Ilsung v. 19.1.1563 (Kopie) 487 Ebda, Nr. 34 u. Nr. 35: Briefe Chantonnays an Philipp II. v. 14.2. u. v. 22./24.2.1563 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
zurück zum  Buch Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser