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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen
Kräftespiel680
In Innsbruck wurde die Antwort eingehend beraten mit dem Ergebnis, alle
Kurfürsten durch den Reichserzkanzler zu informieren und um ihre Stellung-
nahme zu ersuchen, ob und wie darauf erwidert werden oder ob bis zum näch-
sten Reichstag gewartet werden solle495. So geschah es vier Wochen später496.
Von Maßnahmen gegen Frankreich war nicht die Rede, es gab am Kaiserhof
sicher keine Pläne für einen Reichskrieg gegen Frankreich. Insofern konnte
Bochetel mit vollem Recht Entwarnung geben: Weder sehe noch höre er irgend-
etwas, das zu Furcht oder Mißtrauen Anlaß gäbe497. Wiederum ruhte die Sache
für ein Jahr.
Ungeachtet dieser offenen Frage bemühte sich Katharina seit dem Spätherbst
1563 darum, eine Begegnung mit den deutschen Habsburgern zu erreichen, von
der sie sich eine Festigung ihrer innenpolitischen Position (und vielleicht auch
einen Durchbruch in der Frage der Ehe ihres Sohns mit einer Enkelin des Kai-
sers) erhoffte, obwohl Bochetel zu melden hatte, Ferdinand werde ein Treffen
zwischen Karl IX. und Maximilian, das sie als kleinste Variante angeregt hatte,
mit Rücksicht auf Philipp II. nicht genehmigen498. Sie trug dem Botschafter
weitere Fühlungnahme mit Maximilian auf, während er den Kaiser erst dann
einweihen sollte, wenn jener dazu rate. Als Argument dienten ihr nun die „un-
zureichenden“ Ergebnisse des Konzils, weshalb Überlegungen nötig seien, was
gegen die Erbitterung in den von der Glaubensspaltung betroffenen Völkern
unternommen werden könne499. Um die Wiener Bedenken auszuräumen, ließ
sie wissen, daß sie mit dem spanischen König über eine Zusammenkunft der
drei weltlichen Herrscher verhandele, denn eine Demonstration der Geschlos-
senheit könne sowohl den Frieden stabilisieren als auch den Papst zu manchen
Zugeständnissen bewegen500. In dieser Gestalt – ein Dreiertreffen ohne den
Papst – hat Bochetel das Projekt schließlich etwa Ende März 1564 dem Kaiser
offiziell unterbreitet, doch nahm Ferdinand nicht mehr näher dazu Stellung,
weil ihm wegen seines schlechten körperlichen Befindens jede Reise unmöglich
war501. Den Gedanken einer persönlichen Begegnung mit Maximilian hat Ka-
tharina trotz dieser Absage des Kaisers noch weiterverfolgt502, jedoch ohne
Erfolg.
Während des Wormser Deputationstages im Frühjahr 1564 wurde von kur-
fürstlicher Seite angeregt, der Kaiser solle die Restitution nochmals anmahnen.
Bochetel hat davon etwas erfahren und berichtet; die Folgerung der Franzosen,
im Sommer werde ein Reichstag stattfinden, war jedoch unzutreffend, die
Überlegungen, ob man die im letzten Bescheid angekündigte Gesandtschaft
495 HHStA Wien, RHRP 21, fol 69v und RHRP 20b: Einträge zum 8.5.1563; zunächst sollte die
Meinung Maximilians eingeholt werden.
496 Lambert, S. 355: F. an Kurfürst Daniel von Mainz, 2.6.1563
497 Le Laboureur 1, S. 803f: Bochetel an Katharina, 13.5.1563; vgl. Barthold, S. 519 Anm. 1. Holtz-
mann, S. 441 u. S. 470 Anm. 1 erwähnt in Frankreich kursierende Gerüchte, Maximilian werde
demnächst Metz belagern.
498 Le Laboureur 2, S. 322ff: Bochetel an Katharina, 6.12.1563
499 Ebda, S. 328ff: Katharina an Bochetel, 29.12.1563
500 Ferrière 2, S. 151ff: Katharina an Bochetel, 28.2.1564
501 So Seld an Herzog Albrecht, 15.4.1564 (BHStA München, KÄA 4309, fol 152r/v)
502 Vgl. nur Le Laboureur 1, S. 787ff: Katharina an Bochetel, 7.6.1564; Marcks, S. 98
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien