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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 685 -
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Die baltische Frage 685 Es wurde bereits gezeigt, wie zäh diese Beratungen des Reichstages verlaufen sind und daß Ferdinand wenig Druck dahinter gesetzt hat532. Der Beschluß des Reichstages zur Livlandhilfe kam zu spät zustande, um den im August in Lü- beck stattfindenden Hansetag noch zu beeinflussen. Dort wurde die von den Städten Reval und Riga als Bundesmitgliedern wie auch vom Ordensmeister erbetene Hilfe – abgesehen von einer geringen Geldsumme – nicht bewilligt mit der Begründung, man wolle dem Reichstag nicht vorgreifen und, falls eine Reichsumlage beschlossen würde, keine Doppelbelastung tragen533. Als Ferdi- nand einige Zeit später an die Städte Lübeck, Hamburg und Lüneburg mit dem Wunsch herantrat, sie möchten die bewilligte Reichshilfe vorfinanzieren, ver- langten sie Garantien, die der Kaiser nicht geben konnte oder wollte, und lehn- ten danach sein Ersuchen ab534. Der Interessenkonflikt zwischen den Hanse- städten, die den einträglichen Handel mit Rußland nicht an die westeuropäische Konkurrenz verlieren wollten, und den Livländern, die einen Handelsboykott gegen Rußland verlangten, war ein Aspekt, den Ferdinand bei seinem Bemühen, Hilfe für Livland zu mobilisieren, zu berücksichtigen hatte, was die ältere deut- sche Forschung bei ihrem Urteil über seine Livlandpolitik nicht immer ange- messen gewürdigt hat. Am 17. August 1559 fertigte Ferdinand in Ausführung des Abschieds von Augsburg gleichlautende Schreiben an Philipp von Spanien, Sigismund August von Polen und Elisabeth von England aus535. Das Ansinnen, sich an einer Inter- vention zugunsten der Erhaltung Livlands durch Schreiben oder Gesandte zu beteiligen oder andere Vorschläge zu unterbreiten, war darin nur sehr kurz ausgedrückt. Da die Klage, der Zar wolle Livland vom Reich loßreißen, die fremden Mächte kaum sehr beeindrucken konnte, wurde zur Begründung, warum allseitige Unterstützung nötig sei, sowohl das Bild von der Schutzmau- er, die Livland darstelle, bemüht als auch die vor allem an die beiden Seemächte gerichtete Warnung, wenn der Zar an die Ostsee vordringe, werde das große Nachteile für ihren Handel zur Folge haben – angesichts der günstigen Kondi- tionen, die Iwan IV. allen ausländischen Kaufleuten in Narwa anbot536, kein sehr überzeugendes Argument. An die Hansestädte erging nicht nur die Auf- forderung, die Livländer zu unterstützen, sondern auch die Fahrt nach Narwa zu unterlassen537. Der geradezu modern anmutende Gedanke einer gemeinsamen „internatio- nalen“ diplomatischen Intervention zugunsten eines Schwachen beim Aggressor fand bei den angesprochenen Mächten keine Resonanz. Philipp II. und Elisa- beth von England reagierten überhaupt nicht, Schweden und die Hansestädte 532 Kapitel 5, S. 343ff 533 Dreyer, S. 78ff; Schneider, Kreis, S. 104 534 Reimann, Verhalten, S. 373f 535 HHStA Wien, Polonica 9, 1559 Konv. A, fol 69r-71v: F. an König von Polen („in simile ad regem Hispaniam ac Reginam Angliae“, Konz.); das Schreiben an Philipp II. gedruckt CDI 98, S. 98–102. Ob die Schreiben an die skandinavischen Könige anders formuliert worden sind, vermag ich nicht zu sagen. 536 Übersberger, S. 320 537 Dreyer, S. 83 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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Ferdinand I. als Kaiser