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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 688 -
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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel688 ren Demarche in Moskau. Er ließ durch ein minderrangiges Mitglied seines Hofstaates, Hieronymus Hoffmann548, dem Zaren eine Abmahnung überbrin- gen. Darin forderte er den „Fürsten“ (princeps) auf, seine kriegerischen Hand- lungen gegen Livland, das ein „insigne membrum“ des Reiches sei, zu unterlas- sen, seine Absicht, es vom Reich abzuziehen und sich zu unterwerfen, aufzuge- ben und die bereits besetzten Gebiete herauszugeben; sonst müßten Kaiser und Reichsstände Maßnahmen zu Schutz und Verteidigung des Ordens ergreifen549. Ferdinand wird schwerlich geglaubt haben, daß dieser Appell und das hinzu- gefügte Anerbieten, er wolle Beschwerden über vom Orden dem russischen Herrscher angetanes Unrecht nachgehen550, den Zaren zum Einlenken bewegen würde. Vollmacht zu Verhandlungen hatte Hoffmann nicht, seine Sendung hatte wohl vor allem den Zweck, in Moskau schon einmal Flagge zu zeigen und in Erfahrung zu bringen, wie weit der Zar zu gehen beabsichtigte, ferner zu erkunden, was die anderen Mächte – Polen, Dänemark, Schweden – dort trie- ben551. Diese Aufgabe hat Hoffmann auch befriedigend gelöst, jedoch scheint er selbst seine Funktion überbewertet zu haben, klagte er doch in seinem Ab- schlußbericht, er habe so wenig bewirken können, weil er kein Geschenk für den Großfürsten gehabt und ihm den begehrten Titel „Kaiser“ habe verweigern müssen552. Selbstverständlich wußte man in Wien, wie man eine ordentliche Gesandtschaft nach Rußland auszustatten hatte, die Berichte Herbersteins wa- ren ja genau bekannt. In seiner Erwiderung überging Iwan IV. den Kernpunkt des kaiserlichen Schreibens, Livlands Zugehörigkeit zum Reich; er betonte stattdessen, die Livländer wären seinen Vorfahren tributpflichtig gewesen, und beschuldigte sie des Abfalls vom rechten Glauben zum Luthertum, so daß der Kaiser sie eher strafen als sich für sie verwenden solle553. Hoffmann wußte zu ergänzen, der Zar habe ironisch darauf hingewiesen, daß die Livländer sich erst ganz zuletzt an den Kaiser um Schutz gewandt hätten – vorher aber an Schwe- den, Dänemark und Polen –, und habe gedroht, er wolle „nicht nach lassen, bis ehr ganntz Laiflandt eroberthe, wofehr ihm Euere Ro. Kay. Mt. nicht ettwas freundtlichers zuschreiben wurden lassen und einen kaiserlichen titell ge- ben“554. Ferdinand nahm das zum Anlaß, nochmals an die Herrscher von Spa- nien, Schweden und England zu schreiben. Darin wiederholte er die Warnung vor dem Expansionsdrang des Zaren, denn dessen Antwort lasse befürchten, daß er an seinem für das Reich wie für die anderen Nachbarn gefährlichen Vor- haben festhalte. Doch machte der Kaiser diesmal überhaupt keinen konkreten 548 Seld bezeichnete ihn als „Hartschier“ (BHStA München, KÄA 4306, fol 478v: Brief an Hg. Albrecht v. 10.7.1560, u.a. die Rückkehr Hoffmanns meldend). 549 HHStA Wien, Russica 1, fol 50r-51r: „Moskowi Principi“ Wien, 19.10.1559 (Konz.); gedruckt in MLA 5, S. 719f. 550 Die Formulierung des Angebots ging zuerst weiter und wurde abgeschwächt. 551 Am ausführlichsten dazu Übersberger, S. 325ff 552 HHStA Wien, Russica 1, fol 56r-62r (Or.) 553 HHStA Wien, Russica 1, fol 52r-53r; Übersberger, S. 329 554 wie Anm. 552, fol 61r/v; Übersberger, S. 330 spricht von einem „Mißerfolg“. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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