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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 691 -
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Die baltische Frage 691 mes und durch die Eroberung von Fellin am 2. und 4. August erlitten hatte569. Zu den Wilnaer Verträgen nahm er nicht Stellung. Seine mit der Androhung schwerer Strafen bestückte Ermahnung an die Stände der Stifte Ösel und Kur- land, dem von ihrem Bischof beabsichtigten Verkauf an Dänemark nicht zuzu- stimmen570, ließ Ferdinand so wenig erwähnen wie seine Mandate an Lübeck und Reval. Positive Vorschläge für künftige Maßnahmen machte er nicht. Darin zeigt sich wieder die Tendenz, den Ständen die Initiative zu überlassen, um ihrer Opposition gegen eigene Anträge zu entgehen. Deutlicher wurde Herzog Barnim von Pommern, der einen sehr pessimisti- schen Lagebericht nach Speyer schickte mit der Prognose, es gebe, „so keine hülff geschieht und beim reich kein grosserer ernst wie bisanher gesehen ge- spurt wurdt, ... wegen Lifflandt kein hoffnung mer“, und die angrenzenden Länder würden in größte Gefahr geraten571. Und Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg stellte mehrere Anträge: Eine Truppenhilfe für Livland aufzu- stellen, mit Schweden ein Abkommen über ihre Versorgung zu schließen, ein mit der Reichsacht drohendes Verbot der Belieferung Rußlands mit kriegs- wichtigen Gütern zu erlassen, endlich den Adel im westfälisch- niederrheinischen Kreis aufzufordern, eine besondere Geldhilfe für Livland aufzubringen, weil er bisher die meisten Vorteile aus seinen Verbindungen dorthin gezogen habe572. In Speyer neigte die Mehrheit der Anwesenden dazu, das Engagement des Reiches zugunsten Livlands zu verstärken. Aus der Antwort, die Ferdinand auf einen Zwischenbericht seiner Kommissare in Speyer über die dortigen Beratun- gen erteilte573, geht hervor, welche Vorschläge er vorbehaltlos billigte und wo er Bedenken hatte. Ein von Seld angefertigter Überblick mit Bemerkungen über Zustimmung oder Einwände574 sowie die Eintragungen des Sekretärs Haller in seinem Protokoll über die Entscheidungen des Reichshofrats575 gewähren zu- sätzliche Einblicke in die Überlegungen Ferdinands und seiner Berater. Ferdinand akzeptierte die Empfehlung der Deputierten, die Wilnaer Schutz- verträge des Ordensmeisters und des Erzbischofs von Riga auf sich beruhen zu lassen. Es fand seine Zustimmung, jetzt eine offizielle Gesandtschaft im Namen von Kaiser und Reich nach Moskau zu schicken; aber er wollte nicht allein damit belastet werden, sondern eine aktive Beteiligung der Reichsstände576, hielt es jedoch für unnötig, „pro dignitate nostra et imperii“ fürstliche Personen abzuordnen, sondern meinte, wie bei früheren Gesandtschaften im Auftrage der 569 Rasmussen, S. 149. Dabei war der frühere Ordensmeister Fürstenberg in russische Gefangen- schaft geraten. 570 Schirren 4, S. 290ff: Schreiben v. 24.3.1560 571 HHStA Wien, RK RTA 45, fol 18r-19v: Schreiben v. 29.9.1560 572 MLA 5, S. 725ff: Instruktion für Gesandte nach Speyer, Schwerin, 25.9.1560. In der Tat hatte sich der Orden in Livland vorwiegend aus Westfalen rekrutiert (Wittram, S. 30). 573 BHStA München, KÄA 4297, fol 59r-64v: Instruktion v. 26.11.1560 (Kopie) 574 HHStA Wien, Polonica 11 Konvolut F, fol 113r-114v: „Summari der Stend bedenken in der lifländischen Sach“, undatiert. 575 HHStA Wien, RHRP 17, fol 270v-271v 576 In die engere Wahl zog man in Wien (nach Selds Notizen, s. Anm. 574) Kurbrandenburg, aus dem Fürstenrat Bremen, Münster und Pommmern, ferner die Stadt Köln. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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