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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 699 -
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Die baltische Frage 699 schlossene Livlandhilfe von 100000 Gulden an ihn auszuzahlen, weil ein neuer Angriff des Zaren zu erwarten sei627. Nach vorheriger Konsultation mit Maxi- milian gab Ferdinand seinem Schwiegersohn den trockenen Rat, davon Abstand zu nehmen, denn die Reichsstände hätten, nachdem Schweden und Polen von Livland Besitz ergriffen hatten, die Zahlung unterlassen, und er riskiere nicht nur eine Ablehnung, sondern auch Vorwürfe, deshalb wäre es gescheiter gewe- sen, wenn er dort die Rechte des Reiches nicht angetastet hätte628. Eine Unter- stützung aus seinen Erblanden lehnte Ferdinand gleichfalls ab, weil er alle ver- fügbaren Mittel zur Sicherung der Grenzen gegen die Türken benötige. Abge- sehen von seinen ständigen Geldverlegenheiten hätte er bei den Ständen auch kein Verständnis für eine andere Haltung gefunden. Die Rechtfertigung Sigis- mund Augusts, er habe nur auf dringende Bitten der Livländer „idque adeo permittente etiam Mte. vestra“ dort eingegriffen, zudem hätten Gesandte des Kaisers bei den Bedingungen und Verträgen geholfen – das traf aber nur auf den Vertrag von Pozwol zu –, und wenn er nicht gehandelt hätte, wäre alles an den Moskowiter gefallen629, provozierte eine scharfe Zurückweisung. Ferdinand stellte fest, er habe niemals daran gedacht, daß Sigismund August den Orden und jene Provinz dem Reich entziehen und seiner eigenen Herrschaft unter- werfen würde, wenn jemals ein Gesandter in die Abmachungen mit dem Or- densmeister eine derartige Zustimmung eingefügt haben sollte, was aber nicht zutreffe, so wäre das ohne sein Wissen und Mandat geschehen und ohne Rechtskraft630. – Am Ende der Regierungszeit Ferdinands steht im nordeuropäischen Bereich der Versuch einer Friedensvermittlung. Treibende Kraft ist in diesem Fall Ma- ximilian gewesen. Als sich im Frühsommer 1563 Nachrichten häuften, die Könige von Däne- mark und Schweden rüsteten gegeneinander zum Krieg, bestärkte Ferdinand diejenigen Reichsfürsten, die in näheren Beziehungen zu den beiden Monarchen standen, nämlich August von Sachsen und Philipp von Hessen, in ihrer Absicht, sich für eine friedliche Lösung einzusetzen. Der Kaiser begründete seinen Ap- pell mit der kennzeichnenden Begründung, die Vergießung christlichen Blutes möge verhütet werden, damit die Schlagkraft der Christenheit gegenüber den Ungläubigen keinen Schaden nehme631. Nachdem er erfahren hatte, daß zur Beilegung des Konfliktes eine Konferenz in Rostock stattfinden sollte, beauf- tragte er Maximilian, Vorbereitungen für die Teilnahme an den Verhandlungen 627 Am 15. Februar 1563 eroberte Iwan IV. das litauische Polock, gewährte dann aber einen Waffen- stillstand bis zum Jahresende (Zivier, S. 632f). 628 HHStA Wien, Polonica 12 Konv. 1563, fol 100r-101v: F. an Maximilian, Innsbruck, 16.5.1563 (Ausf.); ebda, fol 105r-106v: F. an König v. Polen, Innsbruck 9.6.1563 (Konz.); darin fast gleich- lautende Passagen über den oben referierten Ratschlag; erwähnt auch von Zivier, S. 637f. 629 HHStA Wien, ebda, fol 119r/v: Sigismund August an F., Wilna, 14.8.1563 630 „Si Orator aliquis noster mandatibus illis ... nomine nostro consensum interposuisset (de quo nobis nihil prorsus constat) id certe sine scitu et mandato nostro factus esset, ideoque talis con- sensus nullius prorsus roboris aut momenti foret“. F. an Sigismund August, Preßburg, 7.9.1563 (Ebda, fol 120r-121v, Konz.; das Zitat fol 121r) 631 BHStA München, KÄA 4308, fol 179r/v: Seld an Herzog Albrecht, 3.6.1563. Zu diesem Zeit- punkt hatte das erste Seegefecht bei Bornholm schon stattgefunden (Schäfer, S. 75). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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