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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 718 -
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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel718 Alternativen parat, die das Wittum regeln sollten; ausdrücklich ordnete er an, wegen dieses Punktes dürfe der Gesandte die Verhandlungen nicht zum Ab- bruch kommen lassen. Insgesamt war der Kaiser anscheinend zuversichtlich, sein Programm durchsetzen zu können, denn er fragte wenig später bei Herzog Albrecht an, ob dieser bereit sei, Karl zur Hochzeit nach England zu beglei- ten764. In einer Nachinstruktion vom 15. November für den Grafen machte es der Kaiser vom Erfolg der Verhandlungen über den Heiratsvertrag und insbesonde- re der Garantie freier Religionsausübung für Karl abhängig, ob er den jungen Mann nach England schicken werde765. Ein neuer Bericht Breuners hatte ihn anscheinend veranlaßt, seine bis Ende Oktober unveränderte Ablehnung einer Reise vor der Hochzeit766 zu überdenken. Breuner hatte gemeldet, Elisabeth habe zuletzt nicht nur durchblicken lassen, sie würde das Kommen Karls begrüßen, sondern auch davon gesprochen, die Franzosen versuchten, diese Ehe zu hintertreiben. Die englischen Räte hätten sich überzeugen lassen, „das diese heyrat fuer dises khunigreich die nutzlichist sey“, und alle englischen Katholiken hofften auf das Zustandekommen767. War es die scheinbar auf Elisabeth zurückgehende politische Argumentation, was Ferdinand und auch Herzog Albrecht nun glauben ließ, das Projekt habe gute Chancen, verwirklicht zu werden? In München begann man ernsthaft über Maßnahmen für den Fall einer längeren Abwesenheit des Herzogs nachzuden- ken768. Gegenüber Philipp II. wagte Ferdinand die Prognose, es bestehe Hoff- nung auf einen erfolgreichen Abschluß, und bat vorsorglich darum, einen eng- landerfahrenen Diplomaten als Ratgeber für Karl abzuordnen und einen tüchtigen Beichtvater aus den Niederlanden sowie einen Hofprediger aus Spanien auszu- suchen769. Die oberösterreichische Regierung erhielt den Auftrag, für die Fi- nanzierung der Reise und der Hochzeit kurzfristig 150000 Gulden bereitzu- stellen770. Obwohl er seinen Beamten keine Begründung für das Heiratsprojekt schuldete, betonte Ferdinand ihnen gegenüber den großen Nutzen für das Haus Österreich und die Christenheit bzw. die katholische Religion, wenn „ain solch mechtig kunigreich“ in die Hände Erzherzog Karls käme und nicht denjenigen zufiele, „so uns und unserm hauß Osterreich in mer weeg zuwider sein, welche dan gwaltig darumben practiciern“, aber auch seine Entschlossenheit, „nit we- niger als unsere geliebte vorfordern ... daßelb hauß mit hilf und zuesetzung 764 Eigh. Schreiben v. 27.10.1559 (BHStA München, KÄA 4460, fol 181r/v, zum Teil gedruckt bei Goetz, Beiträge, S. 164) 765 Diemer, S. 80 Anm. 12 766 So noch am 24.10.1559 an Quadra (HHStA Wien, Spanien, Dipl. Korr 5, fol 140r/v, Konz.); die parallele Weisung an Breuner referiert Diemer, S. 60f. Breuner und Quadra steigerten ihr Drän- gen bis zu dem Vorschlag, Karl solle verkleidet nach England reisen (ebda, S. 62 Anm. 70). 767 Breuner an F., 30.10.1559 (HHStA Wien, England, Dipl. Korr. 17, fol 3r-8r); er kommentierte, die Franzosen hofften, ihre Königin – Maria Stuart – werde eine unverheiratet und kinderlos ge- bliebene Elisabeth beerben; die Folgen für die Niederlande werde der Kaiser selbst ermessen. 768 Riezler, S. 576. Ferdinand hatte Albrecht umgehend informiert (BHStA München KÄA 4460, fol 184r/v [eigh.]; einige Sätze bei Goetz, Beiträge, S. 164 Anm. 2) 769 CDI 98, S. 103ff: F. an Philipp, 23.11.1559; vgl. Diemer, S. 61 770 Erlaß v. 18.11.1559, ediert von Diemer, S. 305ff, die folgenden Zitate S. 306 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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