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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 721 -
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Zur Heiratspolitik Ferdinands 721 London für nutzlos erklärt hatte, fand sich der Kaiser bereit, das Scheitern des Projekts durch die Abberufung des Gesandten zu besiegeln. Diese Entscheidung war für Ferdinand endgültig. Als im Oktober 1563 Her- zog Christoph von Württemberg eine englische Anregung nach Wien meldete, das Projekt wieder aufzunehmen und Vorgespräche auf Reichsboden (in Köln) zu führen789, winkte der Kaiser sofort ab: Er habe seinerzeit aus dem Verhalten der englischen Königin folgern müssen, daß ihr „solche handlung fürgeen zu lassen nit ernst gewesen, sonnder hat sich allain dises schains gegen anndere Potentaten von Irem vorttl gebrauchen unnd Ir aigne gelegenhait darunder suechen wellen“; es sei zu befürchten, sie werde es wieder so treiben, und das sei mit der kaiserlichen Reputation unvereinbar790. Die Entrüstung über das als ungehörig empfundene Benehmen Elisabeths saß tief, war aber schwerlich der einzige Grund, warum Ferdinand sich und seinen Sohn Karl für nicht mehr interessiert erklärte. Aus der Mitteilung des Herzogs ging nicht hervor, ob die Königin die Sondierung autorisiert hatte, und außerdem hatte man in Wien inzwischen sehr negative Nachrichten über die Situation des Katholizismus in England; darum hatte Ferdinand sich im April bei Elisabeth für die Freilassung inhaftierter Bischöfe eingesetzt und gebeten, den Katholiken Kirchen für ihren Gottesdienst einzuräumen, jedoch noch keine Antwort darauf erhalten791. Zwar ließ sich Christoph nicht abhalten, die Ernsthaftigkeit der Anfrage in England ausloten zu lassen, und kam zu dem Ergebnis, Erzherzog Karl habe gute Chan- cen, wenn Wien den ersten Schritt täte792, obwohl Elisabeth in einem Brief an ihn abermals erklärt hatte, an ihrer Abneigung gegen jede Ehe habe sich nichts geändert793. Der sterbenskranke Ferdinand nahm den Bericht Christophs noch zur Kenntnis, die Sachentscheidung wurde verschoben, weil sein Sohn Karl abwesend war794. Zu Lebzeiten des alten Kaisers geschah nichts mehr. 1565 wurden nochmals Eheverhandlungen aufgenommen und zogen sich über fünf Jahre letztlich erfolglos hin795. – Indessen war Ferdinands Interesse an der britischen Insel nicht erloschen. Für Europa wäre es kaum weniger folgenreich gewesen, wenn das nächste Ehe- projekt Ferdinands für seinen Sohn Karl verwirklicht worden wäre, nämlich dessen Vermählung mit Maria Stuart. Durch den frühen Tod ihres Gemahls Franz II. von Frankreich am 5. Dezember 1560 rückte Maria in ihrer Eigen- schaft als „alleinstehende“ Königin von Schottland alsbald ins Zentrum dyna- stiepolitischer Kombinationen. Die gleiche religiöse Gesinnung des Ehepaares wäre in diesem Fall – im Unterschied zu der Verbindung mit Elisabeth – ja gewährleistet gewesen. Darüber hinaus galt Maria Stuart weithin in Europa als 789 Schloßberger, S. 7f: Christoph an F., 17.10.1563; vgl. Diemer, S. 113 790 Ebda, S. 8f: F. an Christoph, 8.11.1563 791 BHStA München, KÄA 4308, fol 106v: Seld an Herzog Albrecht, 15.4.1563; ebda, fol 433 be- richtet Seld am 11.12.1563 von der Antwort, die im ersten Punkt willfährig, im zweiten aber ab- schlägig war; HHStA Wien, RHRP 20b, Eintrag zum 7.12.1563. 792 Diemer, S. 140 793 Schloßberger, S. 55ff: Elisabeth an Christoph, 27.1.1564 794 Schloßberger, S. 59: F. an Christoph, 27.4.1564 795 Diemer, S. 155ff CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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