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Zur Heiratspolitik Ferdinands 725
Gedanken zu erkunden, den er zunächst als eigene Idee zu drapieren hatte818.
Spätestens Ende April schlug der Kardinal von Lothringen offiziell eine Dop-
pelhochzeit zwischen den Valois und den österreichischen Habsburgern vor:
das zweite Paar sollten Erzherzog Rudolf und die Schwester Karls IX. bil-
den819. Im Juni ging man in Paris vom grundsätzlichen Interesse Maximilians
daran aus820. Ferdinand aber blieb bei seiner abwartenden Haltung, solange
Philipp sich nicht abschließend zu den älteren Eheplänen geäußert hatte, wenn
er auch zum Jahresende freundliche Signale gab821. Der spanische König ent-
schloß sich erst im Spätherbst nach Beratungen mit Alba und Granvella, seiner-
seits auf das schottische Projekt zu verzichten822. Doch selbst jetzt wurde Fer-
dinand nicht eigens bei Maria Stuart aktiv, sondern glaubte auf eine vom Kardi-
nal von Lothringen in Aussicht gestellte persönliche Berichterstattung warten
zu sollen823. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Ob das wenige Wochen vor
seinem Tod an den Kardinal gerichtete Schreiben, das die Hoffnung ausdrückt,
jener möge die Entscheidung Maria Stuarts herbeigeführt haben, bis die Stel-
lungnahme Philipps zur Heirat der ältesten Tochter Maximilians eingetroffen sei,
damit dann zügig verhandelt werden könne, ihm noch vorgelegt worden ist und
sein unvermindertes Festhalten an jener Idee dokumentiert824, muß offen bleiben.
Nimmt man alle Heiratsprojekte, die 1563 in Wien anhängig waren, zusammen,
so läßt sich eine Vision Ferdinands vermuten: Durch enge verwandtschaftliche
Verbindung der wichtigen katholischen Mächte – eine Enkelin mit dem spanischen
Thronfolger, eine andere mit dem französischen König – und Einbeziehung katho-
lisch gebliebener Außenposten – Schottland, eventuell auch Polen – der Ausdeh-
nung des evangelischen Glaubens Halt zu gebieten und vielleicht sogar mit Hilfe
von Erbansprüchen verlorenes Terrain – England – zurückzugewinnen.
818 Ferrière 1, S. 450f: Katharina an Bochetel, 18.1.1563; Meyenhofer, S. 375ff: Bochetel an Kathari-
na, 22.1.1563. Erstmalig taucht diese Kombination schon 1561 auf (Brown 7, S. 305).
819 Mit Schreiben v. 23.4.1563 an Ferdinand (HHStA Wien, Frankreich, Hofkorr. 2, fol 2r-3r); vgl.
Bucholtz 9, S. 734f; Holtzmann, S. 474
820 Ferrière 2, S. 58f: Katharina an Maximilian, 12.6.1563
821 BN Paris, Cinq cents de Colbert, n. 392, S. 141: Bochetel an Katharina, 12.10.1563; HHStA Wien, Frank-
reich, Hofkorr. 2, fol 12r/v: Lothringen an F., 2.1.1564, dem Kaiser für ermutigende Äußerungen dankend.
822 CDI 26, S. 488ff: Gutachten Albas v. 21.10.1563; weitere Quellen bei Fournier, S. 17 Anm. 2. Zu
Philipps Entscheidung s. oben S. 705f mit Anm. 677.
823 Fournier, S. 18f; Diemer, S. 141f
824 So wertet Fournier, S. 21 das Schreiben v. 7.7.1564 (HHStA Wien, Frankreich, Hofkorr. 1, fol 2r-3r).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien