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„Imago Ferdinandi“: Zum Bild des Habsburgers in der Mit- und Nachwelt 731
Schard, protestantischer Beisitzer am Reichskammergericht, bei dem verstorbe-
nen Habsburger alle klassischen Tugenden vor30.
Diese Sammlungen preisender Epitheta aus dem Schatz späthumanistischer
Topik finden eine Parallele in einem politischen Dokument: Während des Re-
gensburger Reichstages von 1576 erklärten die Grafen und Herren in einer Ein-
gabe an Kaiser Maximilian II., wegen der Aufrichtung des Religionsfriedens
werde sein Vater „bey allen Teutschen ein ewigen rueff eines Hochverstendi-
gen, Fridsamen und Theuren Kaysers und Fürsten behalten“. Das gleichlauten-
de Urteil Schwendis wurde schon erwähnt31. Der mit Schard befreundete Leib-
arzt Ferdinands Dr. Johannes Crato hat in der Vorrede zu einem 1575 erschie-
nenen historischen Werk gleichfalls die Verdienste seines Herrn um den Religi-
onsfrieden gepriesen32.
„De mortuis nil nisi bene“ – damit könnte man diese Zeugnisse abtun, wür-
den sie nicht gestützt durch zahlreiche verstreute Äußerungen über Ferdinand
in seinen Kaiserjahren, die nicht nur von seinen Mitarbeitern, sondern auch von
neutralen Diplomaten und von Reichsfürsten stammen, die dem Habsburger
nicht unkritisch gegenüberstanden.
Friedensliebe und Verläßlichkeit sind Ferdinand von vielen Seiten attestiert
worden. Der Nürnberger Bürgermeister Gugel empfahl 1562 seiner Stadt das
Verbleiben im Landsberger Bund mit dem Argument, man kenne des Kaisers
(und des Herzogs von Baiern) „erbere aufrechte bestendigkeit, das bei inen kain
gefar, betrus [sic!] oder unnotürftige verursachung ains kriegs zu besorgen“33.
Kurfürst August beschwichtigte den Landgrafen Philipp, der ein katholisches
Konfessionsbündnis befürchtete, man könne auf die Zusage des Kaisers bauen,
den Religionsfrieden unverbrüchlich halten zu wollen, zumal bei dem Zustand
in seinen Herrschaften „ohne zweifel ihrer Kay. Mt. gelegenheit nit ist, einen
krieg in Deutzschland anzufahen“34. Ebenso war Christoph von Württemberg
zu der Überzeugung gekommen, obwohl Ferdinand den Religionsfrieden ur-
sprünglich nur als Übergang bis zum Konzil betrachtet habe, „dörffen uns
[jetzt] gewislich irer Mt. halber einicher gefar nit besorgen“35. Kurfürst Fried-
rich von der Pfalz, der Ferdinand keineswegs besonders geneigt war, schrieb
1564, als er von dessen lebensgefährlicher Erkrankung erfahren hatte, an den
nicht minder oppositionellen Johann Wilhelm von Sachsen, „...so wissen doch
E.L. und wir alle, das die jetz regierende kay Mt. in zeyt irer kayserlichen re-
girung mit verleihung göttlicher gnaden den zeytlichen friden im reych erhal-
ten“36. Ebenso stimmten alle Botschafter Venedigs, die bei Ferdinand akkredi-
tiert gewesen sind, darin überein, Ferdinand neige von Natur aus mehr zum
30 „vigilantissimus, liberalitate, lenitate, justitia et prudentia singulari clarissimus, pacis amantissi-
mus ac omnibus desdeatissimus, princeps Ferdinandus Romanorum Imperator“ (Schard, Epito-
me, S. 172 l.; zu dem Werk vgl. Siegel, S. 84f).
31 Kapitel 4, S. 309
32 Es handelt sich um die Historia Boemica des Johannes Dubravius (Burckhardt, S. 44f).
33 Goetz, Beiträge, S. 231
34 Heidenhain, Unionspolitik, Beilagen, S. 53f
35 An Landgraf Philipp, 22.8.1563 (Kluckhohn, Briefe 1, S. 442)
36 Kluckhohn, Briefe 1, S. 485f. Sicher sind diese lobenden Äußerungen von protestantischer Seite
vor dem Hintergrund der ersten Hugenottenkriege zu sehen.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien