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Epilog732
Frieden als zum Krieg37; Suriano, der hinzufügte, er habe deswegen weder sich
selbst noch seine Söhne kriegerischen Gefahren ausgesetzt, wollte das nicht als
abwertende Kritik verstanden wissen38.
Übereinstimmend werden ferner Gerechtigkeit, Milde und Frömmigkeit als
Wesenszüge Ferdinands genannt39. Er neige mehr zur Milde als zur Strenge,
deshalb werde er mehr geliebt als gefürchtet, notierte 1557 Paolo Tiepolo40. Im
Gegensatz dazu hatte ein Kollege 1559 den Eindruck, daß der Kaiser in Böh-
men bei der Bevölkerung wegen der hohen Belastungen, die er eingeführt habe,
sehr unbeliebt sei41. Seld kritisierte Ferdinand gelegentlich als zu nachsichtig:
Viele Mitglieder seines Personals seien bei ihrer Arbeit nachlässig, weil ihr Herr
„kainen mangel hatt dann das er gar zu frumm ist, und nitt etwa mit feusten
darain schlacht, wie er pillich tun solt...“42.
Seine aufrichtige Frömmigkeit und sein überzeugtes Festhalten am überlie-
ferten katholischen Glauben sind nicht nur in den sehr persönlichen religiösen
Mahnschreiben an seine Söhne (1555) und an den Schwiegersohn Wilhelm von
Kleve (1563) dokumentiert43, sondern von vielen Beobachtern registriert wor-
den44. Hier sei nur auf den Lobpreis verwiesen, den der Bischof von Fünfkir-
chen als Orator Ferdinands in seiner Begrüßungsansprache an das Trienter
Konzil gerichtet hat: Darin setzte er Ferdinands beispielhafte Frömmigkeit und
nimmermüde Wachsamkeit für die katholische Religion als bekannt voraus und
feierte ihn als von Gott der Kirche geschenkten zweiten Konstantin45.
Erschien der junge Römische König 1532 als sehr ehrgeizig, da er keine Ge-
legenheit auslasse, seine Herrschaft zu vergrößern46, so heben diejenigen Ge-
sandten, die den „reiferen“ Ferdinand beobachtet haben, eine heitere Mensch-
lichkeit, maßvolle Lebensweise und unermüdlichen Arbeitseifer hervor47. Schon
die ersten Berichterstatter attestieren Ferdinand überdurchschnittliche Intelli-
genz, Aufgeschlossenheit sowie eine rasche Auffassungsgabe48. Auch dem alten
Ferdinand wurde „intelletto acutissimo, vivo, et pronto di felicissima memoria“
bescheinigt, so daß er ohne Mühe über alle Dinge aus Erfahrung mitreden kön-
37 „per natura piu tosto inclinato ad una sicura quiete che a una dubbiosa guerra“ (P. Tiepolo 1557
– Hilger, S. 137); „Ama grandemente la pace“ (L. Mocenigo 1559 – Hilger, S. 138); „piu presto
inclinato alla pace che alla guerra“ (Soranzo 1563 – Fiedler, S. 214).
38 Goetz, Finalrelation, S. 292f
39 So z.B. L. Mocenigo (Hilger, S. 138), Suriano (H. Goetz, Finalrelation, S. 293), Soranzo (Fiedler,
S. 215). Vgl. auch Thierse, S. 151
40 Alberi 1/3, S. 146f
41 Alberi 1/6, S. 90 (L. Mocenigo); vgl. Pánek, Maximilian II., S. 96
42 BHStA München, KÄA 4307, fol 141r: Seld an Herzog Albrecht, 8.7.1561
43 Vgl. Laubach, Mahnschreiben
44 Vgl. etwa das Urteil von Hosius nach seinem Antrittsbesuch als Nuntius: „ita mecum res egit ut
mihi nihil certius persuasum sit, quam esse Mtem illius vere christianum Catholicum et ortho-
doxum imperatorem, nec quisquam magis cupere quam priscam religionem tueri, novationes
istas prohibere, haereses propulsare...“ (NB II 1, S. 16).
45 CT 8, S. 350ff
46 Alberi 1/1, S. 103 (N. Tiepolo, 1532)
47 Auszüge bei Hilger, S. 136
48 Langwieser, S. 28ff
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien