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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 735 -
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„Imago Ferdinandi“: Zum Bild des Habsburgers in der Mit- und Nachwelt 735 Am Ende dieser Tradition steht Bucholtz. Er beschloß seine Darlegungen mit einem Panegyrikus, der aus einer langen Aufzählung positiver Leistungen und historischer Verdienste bestand, und ergänzte dieses „Bild des Charakters und der Gesinnung Ferdinands, wie es in den Thatsachen von selbst am besten gezeichnet wird“68, durch eine Reihung von lobenden Äußerungen von Zeitge- nossen und aus Nachrufen69. In der Einleitung wurde angedeutet, daß es Ranke gewesen ist, der dieser überwiegend positiven Beleuchtung Ferdinands das Ende bereitet hat. Und zwar erstens durch die Behauptung, Ferdinand sei „weder an Talent noch an Macht“ mit Karl V. zu vergleichen, die er später etwas modifizierte: „Ferdinand schien Vielen talentvoller als Karl, auf jeden Fall zeigte er sich aufgeweckter, kühner, kriegslustiger“70. Zweitens wertete er den bis dahin als Ferdinands große Leistung gewürdigten Religionsfrieden beträchtlich ab71, und drittens stellte er auch das Bemühen des alten Kaisers, zu einem Frieden mit den Türken zu kommen, als den Erfordernissen nicht adäquat dar. Die Lösung der „großen nationalen Aufgaben“, nämlich zum einen die Ausbildung einer „Kirchenverfas- sung, bei welcher beide Teile bestehen konnten“, und zum anderen, die Offensive gegen die Türken zu ergreifen, wies er Ferdinands Nachfolger Maximilian II. zu72. An anderer Stelle hat Ranke sogar behauptet, es sei das Verdienst Maximilians ge- wesen, den Vater von der „Notwendigkeit einer Pazifikation mit den Protestanten, die von einer Unterwerfung derselben Abstand nahm“, überzeugt zu haben73. Ins- gesamt ist die Darstellung Ferdinands durch Ranke nicht frei von Widersprüchen und deutlich erkennbar von persönlichen Sympathien und Wertmaßstäben des überzeugten Lutheraners Ranke geprägt. Die politische Entwicklung im 19. Jahr- hundert in Deutschland mit den Antagonismen „Kleindeutsch-borussisch“ versus „Großdeutsch-prohabsburgisch“ und später des Kulturkampfes wirkte bekanntlich auf die Geschichtsschreibung zurück und gehört zu den Gründen, warum die aus- gleichende und friedenswillige Politik Kaiser Ferdinands I. wenig Interesse fand. 68 Bucholtz 8, S. 763 69 Eine Biographie Ferdinands wird nicht umhin können, etliche harte und unsympathische Züge zu registrieren, so seine intolerante Haltung gegenüber religiösen Randgruppen wie den Täufern oder seine repressiven Erlasse gegen die Juden. 70 Ranke, Zeiten, S. 5, die Modifizierung in Ranke, Deutsche Geschichte 1, S. 342f; das letztge- nannte Attribut findet in den zeitgenössischen Quellen keine Stütze. 71 Ranke, Zeiten, S. 7ff 72 Ebda, S. 45ff, das Zitat S. 47 73 Ranke, Zur Reichsgeschichte, S. 103 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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