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Schlußbemerkung 741
jahrzehntelang verfolgtes Ziel, Siebenbürgen seinem Machtbereich einzuglie-
dern, um die „Vormauer der Christenheit“ vorzuschieben, nicht erreichen,
zumal die durch zwei Heiraten vertraglich eingeleitete politische Kooperation
mit Polen fehlschlug. Doch gelang es ihm trotz vieler Rückschläge, mit der
Pforte zu einem – allerdings fragilen – Waffenstillstand zu kommen, so daß
militärische Großaktionen der Türken gegen ihn unterblieben sind, und
schließlich zu einem Friedensvertrag. Die osmanische Gefahr beeinflußte – wie
schon zur Zeit Karls V. – die Reichstagsverhandlungen, weil Ferdinand auf die
finanzielle Unterstützung durch die Reichsstände weder verzichten konnte
noch wollte. Es erforderte dann erheblichen Aufwand, die von protestantischen
Ständen mehrmals erwogene Verknüpfung der Hilfsleistungen mit Konzessi-
onsforderungen in der Religionsproblematik zu verhindern. – In Italien war er
bemüht, die Reichsrechte auch gegen Begehrlichkeiten der älteren Linie der
Dynastie zu wahren; keineswegs war er gesonnen, ihr einen politischen Füh-
rungsanspruch zuzugestehen. Wenn er und seine Räte das Tun des Vorgängers
nicht als Vorbild darzustellen pflegten, dürfte das schwerlich nur darin begrün-
det sein, daß das im Reich und an der Kurie wenig opportun gewesen wäre.
Was Moriz Ritter mit leicht abwertendem Unterton als zentrales Anliegen
der kaiserlichen Regierung Ferdinands charakterisiert hat, „in dem schwer er-
schütterten Reich eine Epoche des Friedens heraufzuführen“5, darf in unserer
Zeit, die historische Größe nicht mehr an „starken Aktionen“ wie militärischen
Erfolgen und Ausschaltung politischer Widersacher oder an hochfliegenden
Entwürfen mißt, als respektable Leistung Kaiser Ferdinands und seiner Mitar-
beiter anerkannt werden.
5 Ritter, Deutsche Geschichte 1, S. 260
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien