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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 219 -
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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 219 mungsexemplare“ die seit 1849 über das Oberstkämmereramt an die Hof- bibliothek gelangt sind, an die Privatbibliothek abgeliefert werden müssen, sofern sie in der Hofbibliothek als Dublette vorhanden „und nicht in den Ge- brauch der Bibliothek übergegangen sind“. Es bedarf keiner großen Phantasie um sich die daraufhin entstandene Konfliktsituation vor Augen zu führen. Handfeste Probleme ergaben sich vor allem bei jenen Titeln, die in mehreren Bänden oder gar als Fortsetzungs- werk erschienen waren. Verblieben sie in der Hofbibliothek, weil dort nur unikal vorhanden, so wurden die in der Folge vom Buchhandel übersand- ten Bände oder Lieferungen dennoch der Privatbibliothek zugesprochen und auch ausgehändigt. So beklagt etwa (der 1867 nun doch zum Präfekten er- nannte) Münch-Bellinghausen am 4. Mai 1870, dass die Hofbibliothek die ersten beiden Bände von Franz Crousses „Les Luttes de l’Autriche en 1866“ unmöglich an die Privatbibliothek abtreten könne, weil kein Zweitexemplar vorhanden sei. Den dritten noch fehlenden Band werde man „unter diesen Umständen“ wohl über den Buchhandel besorgen müssen. Becker äußert dem Oberstkämmereramt gegenüber sein Unverständnis darüber, da das fragliche Werk ja nur die französische Übersetzung der vom k. k. General- stab herausgegebenen und gewiss in der Hofbibliothek als Pflichtexemplar existierenden Publikation „Österreichs Kämpfe im Jahre 1866“ sei und auf- grund seines besonderen Einbandes ohnehin nicht an das gemeine Publikum ausgehändigt werden könne. Da niemandem mit einer Aufbewahrung der Bände an zwei unterschiedlichen Standorten gedient sei, erbittet Becker die Erlaubnis des Oberstkämmereramtes, auch den dritten Band an die Hof- bibliothek abgeben zu dürfen. Oberstkämmerer Graf Folliot de Crenneville räumt Becker daraufhin die Entscheidungsbefugnis ein, bei einlangenden Fortsetzungslieferungen selbst zu bestimmen, ob diese an die Hofbiblio- thek abgegeben oder die dort befindlichen älteren Bände zur Abgabe an die Privatbibliothek verlangt werden sollen. Becker vollzieht in der Folge eine Kehrtwendung und fordert von der Hofbibliothek die Herausgabe der ersten beiden Bände von Crousses Übersetzung.706 Die Hofbibliothek scheint jedoch auf Zeit zu spielen. Als Ende Mai 1870 noch fast nichts übergeben ist, macht Becker beim Direktor der Kabinetts- kanzlei Meldung. Er bekennt etwas verdrossen, dass die Hofbibliothek the- oretisch kein einziges Werk werde herausgeben müssen, da sie durch die Erlaubnis Dubletten verkaufen zu dürfen möglicherweise nichts mehr in du- plo besitze. Der künstlich hinausgezögerte Abschluss dieser leidigen Angele- genheit habe nicht nur die einstweilige Aussetzung des Bücherankaufs zur 706 FKBA26140, fol. 7–18. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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