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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 223
Grundauftrag der Bestandspflege und -erweiterung, zumal durch die Versen-
dung des Kataloges an andere Bibliotheken „der Austausch von literarischen
Erscheinungen, die auf Kosten einzelner Höfe in die Öffentlichkeit gelangen,
und von denen die Bibliothek aus früherer Zeit manchen kostbaren Beleg auf-
zuweisen hat, wieder in Fluss zu bringen“ sein wird. Vorhandene Dubletten
könnten dabei gegen fehlende interessante Werke eingetauscht werden. Nicht
zuletzt würden durch einen gedruckten Katalog die zahlreich vorhandenen
„Partei-, Flug- oder Gelegenheitsschriften […] die ihnen gebürende und der
schriftstellerischen Forschung entsprechende Würdigung finden“.714 Schon in
den ersten Monaten der Einarbeitungsphase hatte Becker die dafür notwendi-
gen Vorarbeiten initiiert. Der aus der Khloyber-Zeit stammende Zettelkatalog
für den Buchbestand war zunächst durchgesehen respektive ergänzt und an-
schließend auf Grundlage eines von Becker erstellten Schemas in Disziplinen
und Unterabteilungen gruppiert worden. Zur Veranschaulichung werden dem
Arbeitsprogramm bereits Probedrucke einiger Katalogseiten aus verschiede-
nen Sachgruppen beigelegt. Die genannten Vorarbeiten seien Becker zufolge
in der kurzen Zeit nur möglich geworden, da man auf eine akkurate Altkata-
logisierung zurückgreifen habe können und er von den Bibliotheksbeamten
tatkräftig unterstützt worden sei.715
Im Hinblick auf den Buchbestand widmet sich Becker abschließend dem
Ankauf von Büchern und präsentiert seine dahingehenden Überlegungen.
Grundlegend stellt er fest, dass „ein leitendes Princip in Bezug auf die Rich-
tung, welche die Bibliothek zu verfolgen hat, […] bei der Gründung nicht
vorgeschwebt zu haben [scheint]“, wobei er ebenfalls betont, dass „die Er-
weiterung und Vermehrung der Bibliothek […] bis zum Tode des Kaisers
Franz I. zum größten Theile unter unmittelbarem Einflusse Seiner Majestät
[geschah], von allerhöchstwelchem entweder die Bücher selbst gespendet
oder die Weisung zum Ankauf ertheilt wurde. Später erfolgte der Ankauf
von Büchern unmittelbar vom Vorstande nach seinem Ermessen und unter
seiner Verantwortlichkeit, wobei derselbe an eine für jedes Jahr praelimi-
nierte Summe gebunden war.“ Neben vier Großerwerbungen716, dem konse-
quenten Ausbau der bereits vorhandenen Disziplinen und der Schließung
wesentlicher Bestandslücken, nehme „die auf Österreich bezügliche und
für die Culturentwicklung der unter der kaiserlichen Dynastie stehenden
Länder bedeutsame Literatur“ seit langem einen besonderen Stellenwert
714 Ebenda, pag. 11–15.
715 Ebenda, pag. 15–17.
716 Bibliotheken der Erzherzogin Maria Elisabeth und des Reichsfreiherrn Peter Anton von
Frank, die Inkunabelsammlung des Ferdinand Freiherrn von Ulm sowie die physiognomi-
sche Studiensammlung Johann Caspar Lavaters.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken