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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 227
ren Dienststätten nach Möglichkeit aufzutreiben.720 Die Stiche, die „von den
Reisenden, die Kaiser Franz zur Sammlung ausgeschickt [hatte], abgeliefert
wurden“, hatte Khloyber aber ebenfalls bibliothekarisch völlig unversorgt in
einem Magazin gelagert und die Bearbeitung seinem Nachfolger überlassen
(86 Portefeuilles zu je ca. 500 Porträts).721 „Leider trat auch hier wieder jene
seltsame Verbitterung des Gemüthes hindernd in den Weg, von der dieser
höchst ehrenhafte Mann in der spätern [sic] Zeit seines Wirkens, namentlich
seit dem Hinscheiden seines kaiserlichen Gönners befangen schien.“ Durch
die Unkenntnis über das bereits Vorhandene, seien im Zuge des fortwähren-
den Ankaufs vermutlich wiederum Dubletten angeschafft worden, weshalb
Becker die Akquisition älterer Blätter bis auf weiteres einstellt. In den von
Thaa und Winkler bisher gesichteten Portefeuilles seien 460 als neu, 1.675
jedoch als bereits vorhanden identifiziert worden.722 Es sei zu befürchten,
dass hierbei mehrere tausend Gulden sinnlos ausgegeben worden sind, zu-
mal ein weiterer Aspekt zu berücksichtigen sei, nämlich dass biografische
oder geschichtliche Werke im Buchbestand der Familienbibliothek ebenfalls
eine bedeutende Anzahl von Porträts enthalten. Letztlich sei es nämlich
gleichgültig, „ob irgend ein Porträt in einem Buch oder auf einen Carton ge-
zogen vorliegt, wenn es nur da ist.“ Becker gibt an, in der Zwischenzeit mit
der Verzeichnung von in Büchern befindlichen Porträts im Zuge seiner Vor-
studien für den Real-Katalog begonnen zu haben, da für beides eine genaue
Durchsicht des Buchbestandes notwendig sei. Bisher hätten sich 689 Port-
rätwerke gefunden, die etwa 20.000 Bildnisse enthalten würden. Die über-
wiegende Zahl sei auch in der Porträtsammlung vorhanden, weshalb Becker
der (nach aktueller Forschung) irrigen Annahme ist, „dass sie ehemals in
Doppelexemplaren da waren und zerlegt wurden, um in der Sammlung auf
besondern [sic] Cartons Platz zu finden.“ Durch den Verkauf der Dubletten
oder deren Eintausch gegen nicht vorhandene Stücke könne ein Beitrag zur
Finanzierung der Bestandspflege und -erweiterung geleistet werden. Ziel
müsse vor allem „die Erwerbung von Porträten der Jetztzeit – die in der
720 FKBA11007; Poch, Porträtstichsammlung, 120–128; Huber-Frischeis/Knieling/Valenta,
Privatbibliothek, 523.
721 Die angegebenen Mengen können sich, sofern sie korrekt sind, nicht nur auf die ab 1828
von Gesandten eingeschickten Porträts beziehen. Beckers Ausführungen sind hier jedoch
zu unklar, um die Provenienz dieses am Brettergang gelagerten Bestandes ausmachen zu
können. Die hier kolportierte Menge von ca. 43.000 Blättern würde beinahe der Anzahl
der zu diesem Zeitpunkt in der Porträtsammlung befindlichen Gesamtmenge an Porträts
entsprechen (58.000 Stück beim Tod von Franz I.).
722 Möglicherweise hatte schon Khloyber mit der Aussonderung von Dubletten aus dem Ge-
samtbestand begonnen und diese bis zur Klärung ihres weiteren Schicksals im Magazin
gelagert, ohne dass dies den anderen Bibliotheksmitarbeitern bekannt war.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken