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DREI KAISER – DREI
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Sammlung am wenigsten vertreten sind – und von Porträten österreichi-
scher Notabilitäten, für welche bei dem vorhandenen Material mehr hätte
erreicht werden können“, sein. Becker regt an dieser Stelle an, eine ähnliche
Akquisitionskampagne zu veranlassen, wie Franz I. sie 1828 durchführen
hatte lassen. Am Ende seiner Betrachtungen thematisiert er eine weitere
Maßnahme, die sich für die Porträtsammlung als bedeutungsvoll und weg-
weisend für die Zukunft herausstellen sollte. Seiner Ansicht nach müsse
es einer Sammlung, die ein Kaiser von Österreich gegründet hat, wohl am
nächsten liegen, dass darin die „Mitglieder des österreichischen Kaiserhau-
ses in vorzüglich ausreichender Weise“ vertreten seien. Hatte dieser Aspekt
unter Franz I. noch Berücksichtigung gefunden, so habe man es seit dessen
Tod wohl an Konsequenz mangeln lassen. Diesem Anliegen werde mit dem
Sammeln von über den Kunsthandel vertrieben oder in Zeitschriften und
Publikationen veröffentlichten Porträts des Kaiserpaares und seiner Kinder
allerdings „in der Regel nur nothdürftig gedient“. Historischen Wert besitze
nur die Fotografie, „weil sich mit derselben das Bild in jeder Lebensperiode
und in jeder Situation leicht fixieren lässt“. Die Porträtsammlung sei der
zweckmäßigste Ort, um zumindest je einen Abzug der wichtigsten Aufnah-
men zu hinterlegen, wobei Becker hier über reine Porträtfotos hinausgeht
und auch jene miteinbezieht, die zu diversen Anlässen oder auf Reisen auf-
genommen werden.723 Seine Überlegungen zur Privatbibliothek Franz Jo-
sephs werden im folgenden Abschnitt (5.6.4) behandelt.
Beckers Zustandsbericht und Arbeitsprogramm ist wahrlich umfassend und
zeugt von einer intensiven Auseinandersetzung mit den ihm anvertrauten
Sammlungen. Die Zweckwidmung als „Familienbibliothek“ für die Mitglie-
der des Kaiserhauses ist evident – alleine der Begriff kommt im Text mehr-
fach vor. Die Büchersammlung soll zugleich auch als Studienbibliothek für
den kaiserlichen Nachwuchs dienen, weshalb Literatur für den Unterricht
bevorzugt angekauft werden soll. Als Privatbibliothek des Erzhauses ist na-
türlich auch der Schwerpunkt österreich-spezifische Literatur (Austriaca)
weiter zu forcieren. Für jenes Werk, mit welchem man Becker bis in die Ge-
genwart in Verbindung bringt – den ersten und einzigen gedruckten Katalog
der Fideikommissbibliothek – werden hier die grundlegenden Schritte ge-
setzt, denen in bemerkenswert kurzer Zeit vollbrachte essenzielle Vorarbei-
ten vorausgegangen sind.
Als Quintessenz stellt Becker an Kaiser Franz Joseph neun Anträge res-
pektive Fragen, wovon sich die letzten fünf auf die Fideikommissbibliothek
723 FKBA26135, pag. 27–47.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken