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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 231 lich Bücher aus der Privatbibliothek des Großvaters Franz I. verwendet worden sein, so würde der Grundbestand seiner eigenen Büchersammlung aus den hierfür angeschafften Werken bestehen, deren Menge aber über eine kleine Handbibliothek nicht hinausgehen müsste.728 Zieht man die Vermu- tung in Betracht, dass Franz Joseph wohl keinerlei bibliophilen Interessen hatte, so darf man auch keine Anstrengungen hinsichtlich des Zusammen- haltens dieses Bestandes erwarten. Die Situation ändert sich mit der Re- gierungsübernahme 1848. Da der 18-jährige Franz Joseph als Kaiser – wie seine Vorgänger auch – nun laufend Werke, Widmungsschriften und Adres- sen überreicht bekommt, wie wir in der Folge sehen werden, wird die Zuwei- sung dieser Objekte an eine bestehende oder neu zu gründende Institution oder Sammlung zum Zwecke der dauerhaften Aufbewahrung notwendig. Dies scheint der eigentliche Gründungsakt der Privatbibliothek Franz Jo- sephs gewesen zu sein. Eine parallele Entwicklung ist für seine Gattin Elisa- beth dokumentiert, die durch ihre Verehelichung 1854 ebenfalls mit Einsen- dungen und Überreichungen überhäuft wird. Als etwa der Prager städtische Archivar Karol Jaromir Erben im Oktober 1854 ein Exemplar seines Werkes „Kytice z povesti narodnih [Strauß aus böhmischen Volkssagen]“ der Kai- serin „für Allerhöchst Ihre Kabinetsbibliothek“ überreicht, meldet ihr Pri- vatsekretär Leopold Bayer nach eingehender Prüfung von Werk und Autor, dass dieses „in die zu bildende Privatbibliothek Ihrer Majestät der Kaiserin“ aufgenommen werde.729 Es braucht eben alles seine Ordnung. In Beckers Zustandsbericht werden essentielle Informationen zum ers- ten bekannten Aufbewahrungsort dieser mit damals exakt 701 Titeln (ca. 3.000 Bände) noch recht überschaubaren Sammlung geliefert. Demnach war sie 1865 während der Adaptierung der freigemachten Dienerwoh- nung auf den darüber liegenden Dachboden verfrachtet worden. Dieser leide jedoch „an Unzukömmlichkeiten mancher Art“, die mit dem Zweck der Sammlung nicht vereinbart werden könnten. Dieses Dachmagazin sei durch Beseitigung eines Teils des Dachstuhls geschaffen worden, räumlich jedoch so voluminös, dass es mit dem vor Ort befindlichen Ofen unmöglich so zu beheizen wäre, um in den Wintermonaten dort Arbeiten verrichten zu können.730 Die inhaltliche Bestandsanalyse bestätigt die Vermutung, dass Franz Joseph im Gegensatz zu seinem Großvater tatsächlich keinerlei bibliophile oder gar bibliomanische Interessen hatte. Becker nennt zwar „Werke aus 728 Zur Benützung der franziszeischen Bestände durch Franz Joseph, siehe Abschnitt 6.2. 729 FKBA26037, fol. 7r. 730 FKBA26135, pag. 3–4. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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