Seite - 236 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Bild der Seite - 236 -
Text der Seite - 236 -
DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN236
ischen Kunstblätter unterbrechen musste, die aus konservatorischen Grün-
den nicht am Dachboden gelagert werden konnten. Er meint schlussendlich:
„Insofern nun Seine Majestät schon bei einem früheren Anlasse […] die Noth-
wendigkeit einer anderweitigen Unterbringung der [Fideikommiss]Bibliothek,
so wie die […] dafür bezeichneten Räumlichkeiten des jetzigen Antiken- und
Mineralien Kabinets als für die Bibliothekszwecke verwendbar anzuerkennen
geruht hatten, wagt es der ergebenst Unterzeichnete nunmehr auf Grund der
durch den allerhöchsten Augenschein constatirten Unzulänglichkeit des der
allerhöchsten Privatbibliothek zugewiesenen Raumes, insbesondere die un-
terthänigste Bitte auszusprechen, dass, wenn die Gegenstände des Münz- und
Antikenkabinets in die neuen Museen übertragen sein werden, wenigstens
die Transferirung der allerhöchsten Privatbibliothek in die leer gewordenen
Räume gestattet werde, damit die darin bewahrten [sic] Gegenstände, die, zu-
meist als Zeichen der Huldigung für den Monarchen einen größeren morali-
schen wie materiellen Wert repraesentieren, vom Dachboden entfernt und in
einem feuer- und wettersichern Raume nicht nur anständig, sondern auch der
Würde des allerhöchsten Besitzers entsprechend ausgelegt werden können.
Der ergebenst Unterzeichnete wagt diese Bitte schon jetzt zu stellen, weil er
befürchtet, sie später vergeblich zu stellen und weil eine sichere Aussicht auf
bestimmte Räume nicht verfehlen kann, die Verfügungen über den jetzt vor-
handenen im gewissen Sinne zu reguliren.“740
Dass diese Angelegenheit auch für Franz Joseph eine gewisse Priorität
hatte, zeigt sein eigenhändiger Aktenvermerk auf der Reinschrift des Be-
richts. Der auf Reisen befindliche Kaiser setzt die Aufforderung an das Ge-
heime Kabinett darunter: „Der Antrag wegen des neuen Locals für die Bib-
liothek ist mir gleich nach meiner Ankunft in Wien wieder vorzulegen“.741
Kabinettsdirektor Braun sichert Becker schließlich zu, dass das Obersthof-
meisteramt die erbetenen Räume des Münz- und Antiken- respektive des
Mineralienkabinetts freihalten werde, wiewohl diese nur als provisorisches
Quartier dienen könnten, da jener Trakt für den Bau der Neuen Burg demo-
liert würde. Im Bedarfsfall stünden aber auch Teile des Naturalienkabinetts
oder andere geeignete „Ubikation[en]“ zur Verfügung.742
740 FKBA28074, fol. 2r–v.
741 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 9, 26–1877.
742 FKBA28074, fol. 8r–v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken