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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN238
häusern745 und einer Zusammenstellung der aus der kaiserlichen Kammer
übernommenen Werke746 haben sich im Bibliotheksarchiv auch einige Ver-
zeichnisse des Leibkammerdieners Joseph Kundrath erhalten, die darüber
Auskunft geben, welche Titel für den Kaiser aus den beiden Bibliotheken
zur Aufstellung in den Jagdschlössern oder der Kammer entlehnt worden
waren.747
Die Gewährung des eigenen Budgets für die franzisko-josephinische Pri-
vatbibliothek in der Höhe von 600 fl. ö.W. geschieht am 4. Februar 1871
rückwirkend für den Jahresbeginn 1871 und wird im Abschnitt über die
Finan
zierung eingehender besprochen.748
Die Anweisung des dritten Punktes hinsichtlich der Mitwirkung des Per-
sonals der Fideikommissbibliothek auch bei Tätigkeiten für die Privatbib-
liothek – die bis dahin gewichtigste formale Maßnahme zur stärkeren Ver-
knüpfung der beiden Sammlungen – wird dahingehend umgesetzt, dass „die
Verpflichtung für die Zukunft in den auszufertigenden Anstellungsdekreten
ausdrücklich“ festzuhalten sei.749 Dies wird anlässlich der Anstellung Carl
Posts zum Offizialen am 1. April 1871 sogleich vollzogen.750
Die Realisierung des im vierten Punkt gemachten Antrages um Zuwei-
sung einer adäquaten Lokalität, die schon Franz Joseph von der Fertigstel-
lung der Museen am Ring abhängig gemacht hatte, erlebte Becker nicht
mehr. Erst nach Vollendung des kunsthistorischen Museums und dem Um-
zug des Münz- und Antikenkabinetts dorthin, wurden die begehrten Räum-
lichkeiten im Augustinergang frei, die schließlich 1890/91 bezogen und für
einige Jahre benützt werden konnten.
Die für die Fideikommissbibliothek geplanten Maßnahmen stellten sich
ungleich arbeitsintensiver heraus. Im Mai 1871 fasst Becker seine ersten
konkreten Überlegungen im Hinblick auf die Porträtsammlung zusammen.
Der Sammlungsschwerpunkt lag demnach bisher auf druckgrafisch verviel-
fältigten Porträts, die „nach der Natur oder nach einem guten Originale“
gezeichnet worden sind. Was an Aufnahmen vom Kaiserpaar bisher im
Kunsthandel erschienen war, führt Becker in einer beiliegenden Liste auf.751
Den Großteil dieser Bildnisse besitze die Sammlung nicht, obwohl der Bib-
745 FKBA28001. Die ersten beiden Verzeichnisse beinhalten die Bücher aus Langbarthsee und
Offensee. Die dritte Liste ist lediglich mit einem in schwer lesbarer Kurz- oder Eilschrift
verfassten Titel versehen. Ob es sich hier um die Bücher aus Mürzsteg handelt, ist fraglich.
746 FKBA27010 (im April 1871 übernommen).
747 FKBA28033 u. FKBA28056.
748 FKBA27013, fol. 1r; vgl. Abschnitt 5.10.4.
749 FKBA27004, fol. 3r.
750 FKBA27009, fol. 9r.
751 FKBA27002, fol. 3r–v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken