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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 239
liotheksvorstand der festen Überzeugung ist, dass Abzüge im Rahmen ihres
Erscheinens vom Hof angekauft worden sind. Nun müsse lediglich je ein Ex-
emplar den Weg in die Sammlung finden, das Übrige wäre nachzukaufen.
Darüber hinaus seien auch Abbildungen der übrigen Mitglieder des Hofes
für die Sammlung wünschenswert. Becker meint an diese am einfachsten
zu gelangen, indem man die betreffenden Personen mit Hinweis „auf den
von Seiner Majestät ausgesprochenen Wunsch und den Zweck der Samm-
lung“ um solche bittet. Für den Sammlungsleiter eröffnet sich aufgrund
der technischen Entwicklungen auf dem Gebiet der Fotografie jedoch noch
eine weitere Quelle für die Porträtsammlung. Fotografische Aufnahmen
der Kaiserfamilie und der übrigen Mitglieder des Hofes seien aufgrund des
historischen Interesses von großer Bedeutung, da „neben der getreuesten
Porträtähnlichkeit auch die geringsten Veränderungen durch körperliche
Entwicklung, Lebensalter und Situation zur Geltung kommen, wodurch
die Möglichkeit eintritt, die Porträte einer und derselben Persönlichkeit in
chronologisch geordneten Reihen zusammenzustellen.“ Diese Idee sei am
einfachsten zu realisieren, indem man je ein Exemplar der bisher zu Stande
gekommenen Porträtfotos samt Aufnahmedatum erhalten und dies in der
Zukunft so weiterführen würde. Hinsichtlich des Einsammelns der bereits
existierenden Fotos macht Becker einen praktischen Vorschlag:
„In den Porträtalbums, die in den Appartements Ihrer Majestäten […] auf-
liegen, findet sich nahezu die ganze Suite der bisher geschehenen photogra-
phischen Aufnahmen Ihrer Majestäten […], der kaiserlichen Kinder und der
mehrsten Verwandten der kaiserlichen Familie. Und durch Abgabe dieser Al-
bums an die Sammlung – und zwar vorerst der älteren, die in den Apparte-
ments nicht mehr gebraucht werden – wäre die Möglichkeit gegeben, die Por-
träte nach Persönlichkeiten chronologisch zu ordnen und die sich ergebenden
Lücken nachträglich auszufüllen.“752
Eine Reaktion des Kaisers fehlt. Es ist auch schwer vorstellbar, dass bei der
stetig steigenden Menge an bildlichen Veröffentlichungen und der daran be-
teiligten Personen (Hofstäbe, Verleger, Fotografen etc.) sich die Abgabe von
Pflichtexemplaren realisieren hätte lassen. Vielmehr dürfte es so gewesen zu
sein, dass der Bibliotheksvorsteher seine Intention durch wiederholte Auf-
forderungen an Künstler oder Fotografen umzusetzen versuchte, besonders
wenn Porträts im kaiserlichen Auftrag angefertigt wurden. So wendet sich
752 FKBA27002, fol. 2r–v. Im heutigen Fotobestand befinden sich keine derartigen Alben aus
dem Besitz des Kaiserpaares, lediglich eine aus sechs Alben bestehende Sammlung des
Erzherzogs Wilhelm (1827–1894), Pk 2.042.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken