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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 245
ten belegt ein ebenfalls im Bibliotheksarchiv erhaltenes „Verordnungsblatt
für das k. k. Heer“.790
Der auf den ersten Blick etwas eigenartig anmutende Umstand, dass die
Privat- und Familienbibliothek sich etwa 1872 beim Heraldischen Verein
„Adler“791, 1873 beim Österreichischen Alpenverein792 oder 1877 bei der An-
thropologischen Gesellschaft in Wien793 als Mitglied eintragen ließ, ist wohl
auch dem Umstand geschuldet, dass die Bibliotheksleitung es hierbei auf
die meist nur für Mitglieder gedachten Publikationen abgesehen hatte – und
dies für den oftmals verhältnismäßig günstigen Mitgliedsbeitrag. Vorbild
dafür waren wohl wiederum die Akquisitionspraktiken der Geographischen
Gesellschaft oder die Jahresbeiträge Franz Josephs an die Kunstvereine
in Wien, Prag, Lemberg, Salzburg, Linz, Graz, Triest und Pest, womit der
Bezug der für die Vereinsmitglieder publizierten Kunstblätter verbunden
war.794
Das Augenmerk auf Austriaca sowie die Positionierung als Studienbiblio-
thek für die jungen Erzherzoge (etwa für den Unterricht von Kronprinz Ru-
dolf und Erzherzogin Gisela) manifestiert sich zudem in der gezielten Akqui-
sition etwa des „Topographischen Postlexicons“ und des „Oesterreichischen
Postcours-Buches“, die das gesamte (cisleithanische) Reichsgebiet abdecken.
Aber auch Abhandlungen zu einzelnen Kronländern, wie Gregor Wolnys
„Die Markgrafschaft Mähren“ und „Kirchliche Topographie von Mähren“
oder das vom Verwaltungs-Ausschuss des Museums Francisco-Carolinum
in Linz herausgebrachte „Urkundenbuch des Landes ob der Enns“ werden
zur Komplettierung der Austriaca respektive zur Füllung von Bestandslü-
cken gezielt erworben.795 Unter diesem Aspekt wird auch verständlich, wa-
rum sich der Bibliotheksleiter für den fürstlich Hohenzoller’schen Archivar
Eugen Schnell aus Sigmaringen einsetzt und für eine Erlaubnis zur Ein-
sendung seiner sechs literarischen Arbeiten „zur österreichischen Hausge-
schichte“ votiert,796 im Gegenzug aber die aus Paris einlangenden fünf Hefte
des auf Pferderennsport spezialisierten „Journal des Haras“ retournieren
lässt.797 Von der Aussonderungswut Beckers verschont bleiben auch die dem
Unterricht dienlichen Wachspräparate der Pilze des österreichischen Kaiser-
staats von Leopold Trattinnick (1764–1849) aus dem Jahr 1804, die seiner
790 FKBA28047.
791 FKBA27051.
792 FKBA27081.
793 FKBA28051.
794 FKBA27032, fol. 3v.
795 FKBA26142 u. FKBA27039.
796 FKBA28106.
797 FKBA28095.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken