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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 251
genden Bestandsgröße waren durch das Einlenken der Hofbibliothek und die
Herausgabe der begehrten Bestände auf kaiserlichen Befehl beseitigt wor-
den. Nachdem der alte, in kalligrafischer Manier abgeschriebene und seit
etwa 1827 nicht mehr fortgeführte Systematische Katalog809 zur Aufnahme
von Neuzugängen völlig ungeeignet war und sich durch seine voluminösen
Dimensionen gewiss auch als unpraktisch erwies, war die Anfertigung eines
neuen, gedruckten Katalogs eines der vorrangigsten Ziele geworden. Seine
Vervielfältigbarkeit sollte nicht nur die Bekanntheit der Familienbibliothek
unter den Mitgliedern des Kaiserhauses fördern, sondern auch den Aus-
tausch mit anderen Bibliotheken und Sammlungen erleichtern. Vom Um-
stand abgesehen, dass Becker im Vergleich zu Peter Thomas Youngs stark
verästelter Klassifikation für den alten Katalog eine klarere Systematik
ausgearbeitet hatte, sollten die Werke innerhalb einer Disziplin vom ältes-
ten zum jüngsten Titel gereiht werden, um eine schnellere Orientierung vor
allem im Hinblick auf die Funktion als Studienbibliothek für den kaiserli-
chen Nachwuchs zu gewährleisten. Hatte Becker dafür konkrete Vorbilder?
Im Sommer 1870 etwa bekommt er vom Kaiser einen sechswöchigen Urlaub
samt 300 fl. Reisekostenbeitrag bewilligt, um im Rahmen seiner Teilnahme
am internationalen Kongress für geografische Wissenschaften, der im Au-
gust dieses Jahres in Antwerpen stattfand, auch den Bibliotheken in Dres-
den, Brüssel und Paris einen Besuch abstatten zu können.810 Hier könnte er
sich Anregungen für seine Tätigkeit geholt haben.
Im März 1871 ist schließlich auch die Finanzierung gesichert. Der In-
tendant Kaiser Ferdinands, Franz Geringer, bestätigt die Auszahlung von
6.000 fl. durch die Fondskassen-Direktion zur Drucklegung eines Realkata-
loges sowie zur Bearbeitung jener ungebundenen Bücher und losen Karten,
die nach Khloybers Tod aufgefunden worden sind.811 Dass es sich hierbei le-
diglich um die Finanzierung des ersten Katalogbandes handelt, wird nicht
erwähnt, doch scheint dies allen Beteiligten bewusst gewesen zu sein. In der
bewilligten Summe sind jene 5.647 fl. 16 kr. ö.W. enthalten, die 1853 ein-
gezogen worden sind und deren Retournierung Becker als siebten Antrag
seines Arbeitsprogramms gefordert hat.
Schon im Jahresbericht für 1871 kann Becker die Beendigung der grund-
legenden Arbeiten für den ersten Band vermelden. Nun bedürfe es der Zu-
sammenarbeit aller Angestellten, um bei den „notwendigen Controllsarbei-
ten […] jedem wesentlichen Irrthume vorzubeugen“ und seine endgültige
Fertigstellung bis 1873 zuwege zu bringen, da er „nach der Widmung des
809 FKB.INV.3.
810 FKBA26153.
811 FKBA27005, Schreiben vom 13.03.1871.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken