Seite - 253 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 253
werden, denn das Großprojekt Realkatalog hat schließlich auch Auswirkun-
gen auf die Personalentwicklung. Die Kompensation der Arbeitsleistung des
im Februar 1871 in den dauernden Ruhestand versetzten zweiten Skriptors
Josef Winkler durch den Hilfsarbeiter Swieceny stellt sich in der Folge näm-
lich als ungenügend heraus, weshalb sich Becker schlussendlich doch genö-
tigt sieht, die Anzahl der Mitarbeiter zu erhöhen. Carl Post erhält die Stelle
Winklers und Karpf wird als Offizial eingestellt.813 Der Bibliotheksvorsteher
kann zudem berichten, dass die ersten zwanzig von insgesamt fünfzig pro-
gnostizierten Druckbögen bereits die Druckerpresse verlassen hätten und
fünf weitere bereits „im Satze“ seien. Eine Fertigstellung des ersten Kata-
logbandes Ende März 1873 sei deshalb realistisch.814 Selbige verzögert sich
dann doch um einige Wochen. Am 30. Mai überreicht Becker an Kabinetts-
direktor Braun ein Exemplar des „in Vollendung begriffenen ersten Bandes“
mit der Bitte, bei Kaiser Franz Joseph im Namen des Druckers Finsterbeck
die Genehmigung zu erwirken, dass der Katalog bei der bereits am 1. Mai
eröffneten Wiener Weltausstellung in der Abteilung „Graphische Künste“
ausgestellt werden darf, noch bevor Seiner Majestät ein „vollständig ad-
justiertes Exemplar“ vorgelegt werde. Gleichzeitig überreicht er den Bürs-
tenabzug des Vorworts verbunden mit der Bitte, Kaiser Franz Joseph möge
die „Zeilen einer genauen Einsicht“ würdigen und gegebenenfalls bekannt
geben, „ob nicht etwa ein Zusatz oder eine Modification in einzelnen Aus-
drücken genehm gefunden wird“. Dass man den Antrag Finsterbecks, mit
diesem Katalog werben zu dürfen, dem Kaiser überhaupt zu Genehmigung
vorlegt, liegt nicht zuletzt im Einsatz des Unternehmers für das Zustande-
kommen des Katalogs begründet. Becker streicht hervor, dass dieser neue
Schriftarten samt Lettern angekauft habe, ohne den vereinbarten günstigen
Preis für Satz und Druck zu erhöhen, und selbst späterhin, als aufgrund
einer allgemeinen Lohnerhöhung die Preise gestiegen waren, „aus loyaler
Rücksicht an den früher eingegangenen Bedingungen mit Gefahr von sei-
ner Seite festhielt“. Becker bittet deshalb zudem um die Genehmigung, dass
Finsterbeck ein Prachtexemplar des Bandes dem Kaiser persönlich überrei-
chen dürfe und gleichzeitig um eine Auszeichnung für selbigen, „wodurch er
sich gewiss mächtig gehoben, und zur gleich rücksichtsvollen Fortsetzung
des Unternehmens angeregt fühlen würde.“815 Die Anträge werden geneh-
migt und eine Auszeichnung in Aussicht gestellt. Als Finsterbeck schließ-
lich nach der endgültigen Fertigstellung des ersten Bandes zwölf auf eigene
Kosten angefertigte Prachtexemplare zur Verteilung an die Mitglieder des
813 FKBA27043.
814 FKBA27045, fol. 2r–v.
815 FKBA27058, fol. 1–2.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken