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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 257 -
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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 257 ersten Band ausverhandelten Produktionspreis nicht erhöhen würde (der Folio-Bogen zweispaltig bedruckt auf Hanfpapier in 200 Exemplaren zum Preis von 70 fl. ö.W.) und man ihm weiterhin für je 10 Druckbögen 700 fl. ausbezahlen würde. Die Bände zwei und drei seien ebenfalls auf je 50–60 Bö- gen berechnet. Die kaiserliche Genehmigung vorausgesetzt, würde das Fron- tispiz des zweiten Bandes eine Porträtbüste Franz Josephs und jenes des dritten Bandes das Konterfei Kronprinz Rudolfs zeigen.826 Warum Ferdinand in diesem Zusammenhang keine Würdigung fand, ist rätselhaft. Franz Jo- seph genehmigt daraufhin die weitere Drucklegung und gibt bekannt, dass Kaiser Ferdinand wegen Anweisung der erforderlichen Geldbeträge „ange- gangen wird“.827 In der Kostenkalkulation schätzt Becker die Aufwendungen auf 6.550 fl. pro Band, woraufhin eine entsprechende Weisung von Intendant Franz Geringer an Fondskassen-Direktor Scharff ergeht.828 Die lange im Zeitplan liegenden Arbeiten erfahren durch den Tod Kai- ser Ferdinands I. am 29. Juni 1875 in Prag einen Einschnitt. Seine Bücher- sammlung wird an Franz Joseph vererbt und folglich dessen Privatbiblio- thek einverleibt. Dieser Umstand hat natürlich auch deren Aufnahme in den Realkatalog zur Folge. Hier stellt sich die berechtigte Frage, ob damit nicht von Anfang an hätte gerechnet werden müssen. Dass Franz Joseph von Fer- dinand zum Universalerben ernannt werden sollte, war zwar spätestens seit 1858 bekannt, doch bedeutete dies nicht zwingend, dass dessen Privatbib- liothek automatisch zur Erbmasse gehören würde.829 Sie hätte ebenso noch zu Lebzeiten des abgedankten Monarchen verschenkt oder anderweitig ver- äußert werden können, zumal das Desinteresse Franz Josephs an Büchern vielleicht sogar Ferdinand bekannt war. Andererseits wäre ein Abwarten auf Ferdinands Hinscheiden, um mit dem Katalogarbeiten zu beginnen, wohl mit Beckers Tatendrang nicht in Einklang zu bringen gewesen, zumal der abgedankte Kaiser theoretisch ja ein noch viel höheres Alter (als die an sich schon beachtlichen 82 Jahre) hätte erreichen können. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 54 Bögen des zweiten Bandes gedruckt und weitere zwei im Korrekturlauf. Die völlig veränderten Umstände machen eine persönliche Besprechung der Lage zwischen Becker und Kaiser Franz Joseph notwen- dig, die am 17. August 1875 stattfindet und infolge derer Post zum Kustos, Karpf zum ersten und Schaffer zum zweiten Skriptor befördert wird.830 Zu- 826 FKBA27086, fol. 2–3. 827 FKBA27083, fol. 1r–v. 828 FKBA27087, fol. 1–2. 829 Zur Einflussnahme auf die letztwillige Verfügung Ferdinands seitens des Wiener Hofes siehe Kramp, Brandis, 405–408 bzw. die Ausführungen zu Beginn des Folgekapitels. 830 FKBA28016, fol. 1–3. Bericht vom 20.08.1875. Franz Joseph feierte seinen Geburtstag in diesem Jahr in Wien und nicht, wie sonst üblich, in Ischl. Er befand sich vor dem 14. und Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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