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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN264
Baptist Janku als Ersatz zu den gleichen Konditionen aufzunehmen, was
genehmigt wird.859
Anlässlich der Versendung des dritten Bandes,860 der nun nur als erste
Abteilung des dritten Bandes gezählt wird, spricht Franz Joseph den daran
beteiligten Mitarbeitern Alois Karpf, Wenzel Schaffer und Georg von Thaa
seinen besonderen Dank aus und bewilligt den ersten beiden je 200 fl., Thaa
hingegen 300 fl. als Remuneration.861 Der prognostizierte Budgetrest erhöht
sich nach erfolgter Abrechnung sogar noch und beläuft sich im Oktober 1882
auf stattliche 4.827 fl. 34 kr. ö.W.862 Das Zusammenfassen des soeben er-
schienenen Bandes mit seinem geplanten Nachfolger zu zwei Abteilungen
(Teilbänden) des dritten Bandes scheint ebenso willkürlich wie die Eintei-
lung der vorangegangenen Bände zu sein. In den Akten der Folgezeit wird
der nun anstehende Band, der die Porträt-, Kunst- und Lavatersammlung
beinhalten soll, teilweise weiterhin als vierter Band bezeichnet. Die Arbeiten
daran gehen jedoch, wie Rainer Valenta ausführen wird, noch viel langsa-
mer als geplant voran, was hauptsächlich dem Umstand geschuldet ist, dass
man die Revision und Katalogisierung der Porträt- und Kunstsammlung mit
möglichster Genauigkeit durchzuführen im Sinn hat.863 Dies entpuppt sich
jedoch als Arbeit für Jahrzehnte. Um nicht den gleichen Fehler zu begehen,
den man einst Khloyber zum Vorwurf gemacht hatte (Hortung beträchtli-
cher Gelder), retourniert Becker im Jänner 1884 das genannte Restbudget
an die Fondskasse mit der Bitte, dass ihm dieser Betrag „auf seinerzeitiges
Verlangen wieder flüßig gemacht werde“.864 Die Zweckwidmung soll also be-
stehen bleiben. Am 22. August 1887 stirbt Becker in Lienz und mit ihm auch
das Katalogprojekt. Zu einer Realisierung des letzten Bandes wird es nie
kommen. Die dafür vorgesehene Geldsumme wird 1890 als Beitrag zu den
Kosten für den Umzug der Bibliothek in den Augustinergang abgerufen.865
Die ausführliche Schilderung des Entstehungsprozesses dieses bedeuten-
den Katalogwerkes verdeutlicht zugleich den Transformationsprozess vom
anfänglich geplanten Opus zum tatsächlichen Endresultat, das, wie seine
handschriftlichen Vorgängerkataloge, ebenfalls unvollendet blieb. Bemer-
kenswert ist, wie schnell man auf die sich ändernden Voraussetzungen so-
859 FKBA30040, fol. 7r–8v bzw. 20r–v.
860 FKBA30039 (Teilliste der beteilten Institutionen), FKBA30049 (Danksagungen und Emp-
fangsbestätigungen).
861 FKBA30025 u. FKBA30051.
862 FKBA30071, samt Rechnungsbeilagen.
863 Vgl. dazu den Beitrag von Valenta in diesem Band, Abschnitt 1.4.
864 FKBA30112.
865 FKBA33066.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken