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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN266
xiert. Insgesamt wird das Vermögen
einschließlich aller Wertpapier, An-
sprüche und Realitäten auf 30,2 Mil-
lionen Gulden geschätzt.868
Im vorangegangenen Abschnitt
wurde bereits ventiliert, inwieweit
Franz Joseph mit der Übertragung
der Bibliothek in sein Privateigen-
tum hatte rechnen können. Nicht
besprochen wurde bislang hingegen,
warum sie Ferdinand nicht gleich
der Fideikommissbibliothek einver-
leiben ließ. Es steht zu vermuten,
dass er sich über Details hinsichtlich
der Zukunft seiner Sammlung nach
seinem Tod keine konkreten Gedan-
ken machen wollte und Verfügungen
in dieser Hinsicht Franz Joseph zu
überlassen gedachte, dem ja seit
1870 schon weitreichende Adminis-
trationsrechte über die Fideikommissbibliothek übertragen worden waren.
Becker merkt in Zusammenhang mit der nun notwendigen Ausdehnung des
Realkataloges auf die Bücher aus Prag zumindest an, dass dieser Zuwachs
„unverhofft“ geschah.869
Bevor nun die Inkorporierung der Ferdinandea näher besprochen wird,
soll zunächst noch einer formal äußerst wichtigen, real aber ziemlich neben-
sächlichen Rechtshandlung gedacht werden, die der Tod Ferdinands eben-
falls nach sich gezogen hatte. Das Amt des Fideikommissherren und Nutz-
nießers geht mittels Einantwortungsurkunde vom 15. Juli 1875 auf seinen
um neun Jahre jüngeren (einzigen) Bruder Erzherzog Franz Karl über.870
Sein Sekretär Christoph von Columbus871 fordert deshalb „nebst einer kur-
zen Darstellung des dermaligen Standes dieses, das höchste Interesse erzeu-
genden Objektes“ vor allem Angaben über die mit dem Besitz verbundenen
finanziellen Verpflichtungen für die darin beschäftigten Beamten sowie die
868 Wien, ÖStA, HHStA, OMaA, Kt. 380: „Eidesstättiges Bekenntnis über das Allodial Verlas-
senschafts Vermögen nach weiland Sr. Majestät dem am 29. Juni 1875 zu Prag verbliche-
nen Kaiser Ferdinand I.“
869 FKBA28025, fol. 2v.
870 Zur bedingten Erbserklärung und der stattgefundenen Inventur siehe Wien, ÖStA,
HHStA, OMaA, Kt. 285–4 (III 32).
871 Seit 1864 Ritter des Eiserne-Krone-Ordens dritter Klasse.
Abb. 28: Kaiser Ferdinand I. in seinen letzten
Lebensjahren
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken