Seite - 277 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 277
Verwendung der sich ergebenden Doubletten Anträge, sowie über die Durch-
führung der ganzen Maßregel seinerzeit Bericht zu erstatten.
Wien, 27. März 1878 Franz Joseph m.p.“908
Ähnlich wie beim Tod Ferdinands I. 1875 wird ein (außerordentliches) Ver-
zeichnis der Buch-, Karten- und Porträtzuwächse vom 1. Jänner bis 8. März
1878 erstellt und dem Obersthofmarschallamt in der gewohnten Weise über-
mittelt.909
Als Reaktion auf die administrativen Konsequenzen, die dieser Schritt
nach sich zieht, regt Becker zunächst an, den Titel der Bibliothek von „k. k.
Familien- und Privatbibliothek Seiner Majestät des Kaisers“ in „Famili-
en-Bibliothek Seiner Majestät des Kaisers“ umzubenennen und nach einer
Kundmachung in der Wiener Zeitung auch das Siegel der Bibliothek ent-
sprechend zu ändern. Aus dem Konzept seines Vortrags an den Kaiser ist er-
sichtlich, dass der Sammlungsleiter den zunächst von ihm vorgeschlagenen,
vom ungarischen Königstitel herkommenden Zusatz „Seiner ‚Apostolischen‘
Majestät“ noch vor der Reinschrift aus dem Vorschlag getilgt hatte. Nach
dem Ausgleich von 1867 schien ihm dieser wohl in Bezug auf die Samm-
lung unpassend. Auch von der Namensnennung des Kaisers wird abgese-
hen, wobei von den schon anlässlich der Titelfindung für den Realkatalog
angeführten Gründen nur mehr letztgenannter ausschlaggebend gewesen
sein könnte, nämlich, damit der Bibliotheksname auch nach einem Herr-
scherwechsel seine Gültigkeit nicht verliert. Darüber hinaus bittet Becker,
die Vergabe von Bibliothekszahlen (mit Sternchen) der Privatbibliothek
Franz Josephs einstellen und künftig an die Signaturen (Nummerus cur-
rens) der Fideikommissbibliothek anschließen zu dürfen. Eine Umsignie-
rung des franzisko-josephinischen Bestandes und des darin enthaltenen
ferdinandeischen Erbes sei jedoch mit Rücksicht auf seine bereits erfolgte
Verzeichnung im Realkatalog de facto unmöglich und dieser deshalb „als
ein für sich abgeschlossenes Ganzes“ zu betrachten. Infolge der Inkorporie-
rung in das Fideikommiss wären nach der Dublettenrevision vollständige
Bestandsverzeichnisse der (ehemaligen) Privatbibliothek Franz Josephs
anzufertigen und dem Obersthofmarschallamt zur Anreihung an die beste-
henden Inventarbände im Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu übergeben. Er-
gänzend zu den bereits durch das Arbeitsprogramm von 1870 eingeführten
Regeln in Bezug auf die Bestandsvermehrung und -komplettierung macht
Becker den Vorschlag, Geschenke an den Kaiser, sofern sie sich einer An-
nahme als würdig erwiesen, „wie jede andere Allerhöchste Auszeichnung“
908 FKBA28082, fol. 1r.
909 Enthalten in Wien, ÖStA, HHStA, OMaA, Kt. 286; vgl. auch FKBA28108.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken