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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN284
Auslagen, die Uiberschüsse stetts [sic] alljährlich am Schluße eines jeden
Verwaltungsjahres an die allerhöchste Privatcasse geleistet, und für die-
selbe verwendet werden“, veranlasst Fondskassen-Direktor Scharff sogleich,
den „entbehrlichen“ Betrag von 20.000 fl. „bei der Fideikommisskassa […]
an die zur Empfangnahme gleichzeitig beauftragte allerhöchste Privatkasse
abzuführen“.935 Ferdinand handelt hier völlig zu Recht. Als Fideikommiss-
herr und Nutznießer des Fideikommissvermögens darf er dieses zwar nicht
vermindern, den Reinertrag jedoch nach Belieben für eigene Zwecke verwen-
den.
Wie kommt nun der Konnex zur Bibliothek zustande? Bereits am 24. Au-
gust 1849 wird von Kaiser Franz Joseph ja die erste Urkunde, nämlich für
das Bibliotheksfideikommiss, ausgestellt. Eine Passage aus dem Protokoll
der mit der Vollstreckung des franziszeischen Testaments betrauten Kom-
mission, welches explizit auf diese Verbindung Bezug nimmt, ist interessan-
terweise dem Aktenkonvolut für das Falkenstein’schen Fideikommiss bei-
gelegt. Ihm ist zu entnehmen, dass die Kommission im Schlussbericht an
das Ministerium des kaiserlichen Hauses und des Äußeren darauf hinweisen
wollte, dass es
„im Interesse der allerhöchsten Familie gelegen sey, bei Ausmittlung der Do-
tation Seiner Majestät [des abgedankten] Kaisers Ferdinand darauf Rücksicht
zu nehmen, daß allerhöchst demselben zwar künftig die Benützung und Ver-
fügung der Bibliothek zu stehen, aber auch die damit verbundenen, nicht un-
wesentlichen Ausgaben allein zur Last fallen werden.
Würde daher die ihm zugewiesene Dotation nicht die nöthigen Mittel dar-
biethen, um für die Besoldung der Beamten, dann Uiberwachung und Erhal-
tung der Bibliothek und der damit verbundenen Sammlungen genügend für
zu sorgen [Satz ist unvollständig].
Die Comission fand um so mehr eine Veranlassung diesen Gegenstand zur
Sprache zu bringen, als Kaiser Ferdinand wie aus einem Schreiben seines
Obersthofmeisters an den Ministerpräsidenten hervorgeht, Anstand nimmt,
die ihm aus dem Besitze der fraglichen Fideicomisse erwachsenden Kosten
zu uibernehmen bevor nicht seine Dotation ausgemittelt wäre, in dem Seine
Majestät keine bleibende Verbindlichkeit einzugehen vermögen, bevor Sie wis-
sen, worauf Sie in Zukunft rechnen können.
Da die seit dem Jahre 1835 nothwendigen Auslagen von Seiner Majestät
Kaiser Ferdinand Privatkassa bestritten worden sind, so reget sich zu gleich
die Frage ob Hochdieselben für diese Auslagen eine Ersatzforderung an die
Verlassenschaftsmasse zu stellen oder davon gänzlich abzustehen gesonnen
935 Ebenda, fol. 223r-v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken