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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN294
zahlt ab nun lediglich die Dotation für Handauslagen von zunächst 800 fl.
an die Bibliothekskasse aus und verwaltet zugleich den großen Dotations-
rest von 4.000 fl., mit dem die von Khloyber eingereichten und überprüften
Buch-, Kunsthändler- und Buchbinderrechnungen beglichen werden. Mit
dem Tod Ferdinands 1875 und der Auflösung seiner Wiener Privatkasse
übernimmt die Fideikommisskasse schließlich auch diese Verpflichtungen.954
5.10.2 Aufteilung der Privatkasse
Bevor die Finanzierung der Fideikommissbibliothek im Zeitabschnitt 1848–
1878 skizziert wird, sollen die Auswirkungen des Thronverzichts Ferdinands
und die Nachfolge durch Franz Joseph auf die kaiserliche Privatkasse the-
matisiert und ein Überblick zu den in diesem Zeitraum entstandenen neuen
Kassen gegeben werden.
Mit der Abdankung Ferdinands wurde die Situation geschaffen, dass – seit
Karl V. erstmals wieder – ein Habsburger-Kaiser nicht durch Tod, sondern
durch Rücktritt aus seinem Amt schied. Dies machte Sonderbestimmun-
gen notwendig, wie wir sie schon bei der Nachfolgeregelung für das Falken-
stein’sche Fideikommiss gesehen haben.
Kaiser Franz I. hatte mit einer Reform zu Beginn des 19. Jahrhunderts
die vielen nebeneinander existierenden Kassen, die jeweils einen Teil des
habsburg-lothringischen Privatvermögens verwaltet hatten, zu einigen weni-
gen reduziert, wovon die Privatkasse für unsere Belange die wichtigste dar-
stellt.955 Aus ihr wurden nicht nur jene Aufwendungen für den Kaiser und
seine Kernfamilie bezahlt, die der Monarch bewusst aus diesem Fonds be-
glichen wissen wollte, sondern auch eine Vielzahl von Unterstützungszah-
lungen, beispielsweise an das Dienstpersonal und deren Nachkommen oder
an Supplikanten. Die Privatkasse wurde 1835 an Ferdinand als Kaiser und
Oberhaupt der Dynastie übertragen. 1848 entstand nun die eigenartige Kon-
stellation, dass aufgrund der politischen Situation zwar der Thron an Franz
Joseph überging, im zivilrechtlichen Bereich, also auch hinsichtlich des Pri-
vatvermögens, aber theoretisch keine Schritte notwendig waren, auch hier
eine Übergabe einzuleiten. Ferdinand war ja nicht verstorben und wohl auch
nicht bereit, sein ihm rechtlich zustehendes Vermögen (oder Teile davon)
vorzeitig weiterzugeben. Auf der anderen Seite war dieses Privatvermögen
von Kaiser Franz dereinst aber gewiss akkumuliert worden, um es ihm und
954 Zum Standort der betreffenden Haupt-Kassabücher vgl. Anm. 933 u. 977.
955 Vgl. dazu Huber-Frischeis/Knieling/Valenta, Privatbibliothek, 208–212; Pangerl,
Sanktion.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken