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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 295 -
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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 295 seinen Nachfolgern einerseits zu ermöglichen, bei den privaten Ausgaben un- gezwungener agieren zu können (ansonsten hätten die Ausgabenposten ja Eingang in die Staatsbuchhaltung gefunden), aber andererseits auch, um sei- nen zuvor angedeuteten sozialen Verpflichtungen nachkommen zu können. Außerdem hatte Ferdinand dieses Privatvermögen ja nicht nur als Sohn des Kaisers Franz, sondern auch als sein Thronfolger erhalten. Obwohl der Kreis derer, die sich Hoffnungen auf den Großteil des ferdinandeischen Erbes ma- chen konnten, klein war (de facto kamen nur seine Gattin Maria Anna oder Franz Joseph in Frage), war der Zeitpunkt des Erbfalls naturgemäß noch nicht absehbar. Als sicher galt nur, dass Ferdinand beeinflussbar war und sich infolge der Übersiedelung nach Prag der Kontrolle durch den Wiener Hof beinahe gänzlich entzogen hatte. In den fünfundzwanzig Jahren, die er nach seiner Abdankung noch lebte, bis er im hohen Alter von 82 Jahren im Jahre 1875 verstarb, hätte sich also noch so manches ändern können. Wie ich in Abschnitt 5.8. dargestellt habe, hat sich der Wiener Hof deshalb auch schon frühzeitig für Ferdinands letzten Willen interessiert und zu Gunsten Franz Josephs interveniert. Der Grund für das Interesse (oder Misstrauen) liegt vielleicht auch in der Befürchtung begründet, Ferdinand durch die langwie- rigen Verhandlungen um die Übernahme der Ausstattungskosten der Prager Burg beziehungsreise um die Höhe seiner staatlichen Dotation nach seinem Rücktritt nachhaltig verstimmt zu haben (vgl. Abschnitt 4.1). Kommen wir nach diesem Exkurs zurück zu den Ereignissen von 1848, die also einen Interessenskonflikt um das in der Privatkasse verwaltete Vermö- gen erzeugt haben und deren Aufteilung unumgänglich machten. Vermut- lich ging die Meinung der mit einer Lösungsfindung betrauten Personen dahin, dass man Ferdinand jene Vermögensteile, die diesem ad personam ge- hörten (etwa Widmungen aus Erbschaften), belassen müsse und der Kern je- ner Vermögensmasse, die noch von Kaiser Franz stammte und deren Erträg- nisse schon von diesem teilweise für karitative und gemeinnützige Zwecke verausgabt worden waren, an den regierenden Kaiser zu übertragen wären. Eine detaillierte Analyse der Herkunft des in der Folge zu besprechenden Vermögens steht allerdings noch aus. Franz Joseph gibt schon wenige Tage nach seiner Thronbesteigung noch von Olmütz aus dem Vizepräsidenten des General-Rechnungsdirektoriums, Jo- sef von Pipitz, die Anweisung, „die Auseinandersetzung der Vermögensver- hältnisse Meines Herrn Oheims […] zu liefern und durch geeignete Schritte zur baldigen Schlussfassung vorzubereiten“.956 So prioritär Franz Joseph 956 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF Ä.R., Kt. 11, Fasz. „Ausgleichung der Privatkassen“, Auffor- Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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