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DREI KAISER – DREI
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(1.843 fl. 3 kr. C.M.), womit dem abgedankten Monarchen letztendlich nur
noch 99.454 fl. 48 kr. C.M. zustünden.964 Ferdinand stimmt diesem Vorschlag
zu, gibt Scharff jedoch zugleich zu verstehen: „Meine Privatkassa werde Ich
für die Zukunft an Mich ziehen, und weise Sie an, Meinem Sekretär Gerin-
ger, wenn er sich bei Ihnen melden wird, die gesammte in ihren Händen
befindliche Barschaft zu übergeben.“965 Damit war offenbar nicht nur jener
soeben errechnete Rest aus den Refundierungen gemeint, sondern auch die
bisher erwirtschafteten Reinerträge aus der Falkenstein’schen Fideikom-
misskasse. Scharff reagiert umgehend und lässt erheben, „wie dieser aller-
höchste Befehl in Vollzug zu setzen wäre und welche Vorkehrung für die auf
die Privatcassa Seiner Majestät Kaiser Ferdinand Bezug habenden Lasten
zu treffen sey“. Sein Hauptrechnungsführer Johann Carl Smirsch sieht sich
jederzeit zu einer Saldierung bereit, gibt jedoch zu bedenken, dass auch wei-
terhin Zahlungen für Ferdinand hier in Wien durchzuführen wären, falls
diese nicht von Franz Joseph übernommen würden. Er bittet um Anweisung,
wie selbige dann zu verrechnen seien. Smirsch macht auch darauf aufmerk-
sam, dass die Erlöse der ehemals toskanischen Güter in Böhmen derzeit (irr-
tümlich) in die Privatkasse Franz Josephs fließen würden, obwohl sie eigent-
lich Ferdinand als ihrem Eigentümer zustünden.966 Nach Rücksprache mit
Privatsekretär Geringer kommt man Ende April 1850 diesbezüglich überein,
dass ein weiterhin von der Fondskasse zu verwaltender Betrag „zur Bestrei-
tung der kurrenten Ausgaben“ in Wien verbleiben und lediglich 20.000 fl.
aus der (Falkenstein’schen) Fideikommiss- und 90.000 fl. aus der ferdinand-
eischen Privatkasse von Wien nach Prag abfließen sollen.967 Zur sicheren De-
ponierung der Vermögenswerte bittet Ferdinands Obersthofmeister, auf der
Prager Burg „ein feuersicheres mit eisernen Thüren geschütztes Local“ zur
Beherbergung der Privatkasse zu erhalten.968
Franz Joseph ist nun gewillt, endgültig einen Schlussstrich unter diese
Angelegenheit zu setzen und beauftragt Scharff am 6. Juni 1850 „alle bis-
her in Meiner Privatkasse aufbewahrten, ein Eigenthum Seiner Majestät
[Kaiser Ferdinand] bildenden Geldbeträge und Geldeswerth vorstellenden
Papiere“ auszufolgen.969 Scharff referiert, dass es sich dabei nur mehr um
die irrtümlich einkassierten Einkünfte aus den ehemals toskanischen Gü-
964 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF Ä.R., Kt. 11, Fasz. „Ausgleichung der Privatkassen“,
163/1850. Schreiben Scharffs an Ferdinand vom 16.02.1850.
965 Ebenda, Anweisung vom 27.01.1850.
966 Ebenda, Bericht vom 27.02.1850.
967 Ebenda, Bericht vom 30.04.1850.
968 Wien, ÖStA, HHStA, OMeA, Kt. 594, Rubr. 130/1, Schreiben vom 23.02.1850.
969 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF Ä.R., Kt. 11, Fasz. „Ausgleichung der Privatkassen“,
421/1850. Kabinettsschreiben vom 06.06.1850.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken