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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 299
tern in Böhmen aus dem Jahr 1848 (141.240 fl.), die Hauptrechnungsfüh-
rer Schmirsch angesprochen hat, und die Erträge aus dem Salzbergwerk
in Soovar970 für den Monat Dezember 1848 (25.000 fl.) handle. Der Fonds-
kassen-Direktor sieht nun die (letzte) Chance gekommen, um von dieser
Gesamtsumme von 166.240 fl. „alle seit der glorreichen Regierung aus der
allerhöchsten [franzisco-josephinischen] Privatcasse bis Ende Mai 1850 be-
zahlten, jedoch von Seiner Majestät dem Kaiser Ferdinand sowohl früherer
als späterer Zeit verliehenen Besoldungen, Pensionen, Gnadengaben u. s. w.
in Gegenrechnung zu bringen, und somit definitiv zu begleichen“. Für ferdi-
nandeische Besoldungen und Pensionen habe man von Dezember 1848 bis
Mai 1850 95.930 fl. 19 kr C.M. verausgabt, für die Fideikommissbibliothek
von Dezember 1848 bis Ende 1849 12.217 fl. 11 kr. C.M. und für noch von
Kaiser Franz I. gewährte Besoldungen und Pensionen im gleichen Zeitraum
32.705 fl. 52 kr. C.M. Aufgrund des dadurch in Abzug zu bringenden Ge-
samtbetrages von 140.853 fl. 23 kr. wären an Kaiser Ferdinand nur noch
25.386 fl. 36 kr. C.M. auszubezahlen. Scharff bemüht sich, Franz Joseph von
der Rechtmäßigkeit dieser Aufrechnung zu überzeugen, indem er in Erin-
nerung ruft, dass Kaiser Ferdinand bei der Repartition der franziszeischen
Besoldungen und Pensionen
„blos einen jährlichen Betrag von 7.458 fl. 42 kr. C.M. (welcher sich noch all-
mählich vermindern wird) zur Bezahlung übernahm, während Eure Majestät
jene unter dem Titel ‚Aus Staatsrücksichten‘ von den besagten Lasten mit ei-
ner Summe von jährlichen 50.022 fl. 56 kr. C.M. (wo ebenfalls allmählig [sic]
eine Verminderung eintreten wird) auf die allerhöchste Privatcasse übertra-
gen zu lassen geruhten.“971
Scharff weist überdies auf den Umstand hin, dass sich unter den Besoldun-
gen, Pensionen und Gnadengaben, die künftig von der Privatkasse Franz
Josephs zu zahlen sein werden, auch solche befänden, die Kaiser Ferdinand
noch als Kronprinz oder seit 1830 als König von Ungarn bewilligt und 1835
bei seinem Regierungsantritt auf die kaiserliche Privatkasse übertragen
habe lassen. Diese Ausgaben seien Personen „der nächsten Privat-Umge-
bung“ des abgedankten Monarchen zuzuordnen und würden deshalb „un-
mittelbar Seine Majestät den Kaiser Ferdinand Allerhöchstselbst treffen“.
Scharff bittet deshalb um äußerste Vorsicht und Sparsamkeit bei den pri-
vaten Ausgaben, da die franzisco-josephinische Privatkasse infolge der Auf-
970 Heute Solivar, ein Stadtteil von Presov in der Ostslowakei.
971 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF Ä.R., Kt. 11, Fasz. „Ausgleichung der Privatkassen“,
163/1850. Vortrag vom 02.08.1850.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken