Seite - 302 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Bild der Seite - 302 -
Text der Seite - 302 -
DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN302
Resümierend bleibt festzuhalten, dass die Aufteilung der Privatkassen in
drei Schritten stattfindet. Die als Besitz Ferdinands sofort zu benennenden
Obligationen samt Zinsen werden bereits am 1. Dezember 1849 übergeben.
Durch Refundierungen für die zunächst von Ferdinand allein weiterbezahl-
ten, noch von Franz I. bewilligten Gnadengehälter und Pensionen werden
dem abgedankten Monarchen nach Abzug einiger in seinem Namen geleiste-
ter Zahlungen beinahe 100.000 fl. zugesprochen. Ferdinand lässt daraufhin
Ende April 1850 aus dem Guthaben der Fideikommiss- sowie seiner Wiener
Privatkasse einen Gesamtbetrag von 110.000 fl. nach Prag abschöpfen. In
einem dritten und letzten Schritt erhält der abgedankte Monarch zunächst
falsch verrechnete und eigentlich ihm zustehende Erträgnisse im Gesamt-
wert von 166.240 fl. gutgeschrieben. Nach einem neuerlichen Abzug von
Ausgaben, die ebenfalls Ferdinand zuzuweisen sind, bleibt mit Ende Juli
1851 ein Restguthaben von über 40.000 fl. C.M. übrig, welches Ferdinand
jedoch ebenfalls in Wien belässt, um weiterhin fällige Rechnungen vor Ort
begleichen zu können.
Zusammenfassung
Die von Kaiser Franz I. an seinen Sohn Ferdinand I. vermachte Privatkasse
wurde nach dessen Abdankung 1848 zwischen ihm und seinem Nachfolger
Kaiser Franz Joseph aufgeteilt, sodass zunächst zwei separate Privatkas-
sen entstanden; eine franzisco-josephinische – als die Privatkasse des am-
tierenden Kaisers – und eine ferdinandeische, die einen Teil des finanziellen
Bedarfs des abgedankten Monarchen in Prag decken sollte. Die Aufteilung
der Einkünfte der vormals ‚einen‘ Privatkasse zwischen den beiden Kaisern
fiel freilich zu Gunsten Ferdinands aus, weshalb dieser zum ‚reichen On-
kel‘ avancierte, über dessen Erbe sich Franz Joseph 1875 wahrlich freuen
konnte. Die infolge der Privatkassenteilung 1848–51 in Besitz genommenen
Bestandteile übernahm Ferdinand jedoch nicht – wie zunächst geplant – zur
Gänze an seinen neuen dauerhaften Wohnsitz nach Prag, sondern ließ zur
leichteren Abwicklung der weiterhin in Wien zu bedienenden Ausgaben ei-
nen Teil seines Privatvermögens in der kaiserlichen Haupt- und Residenz-
stadt zurück. Aus diesem Grunde ist zwischen einer ferdinandeischen Pri-
vatkasse in Wien und einer in Prag zu unterscheiden.977 Ebenfalls in Wien
977 Vgl. dazu Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, Ex-Kaiser Ferdinand Privatkassa-Hauptbücher
Nrn. 1.487–1.510 (1852–1875), Privatkassa-Journale Nrn. 1.511–1.536 (1850–1875); siehe
auch eine Kostenaufstellung Khloybers vom Jänner 1866 „12.600 [sic] Gulden aus der Pri-
vatkasse Seiner Majestät Kaisers Ferdinand in Wien, sind jährlich zur Verwendung der
kaiserlich königlichen Fideicommiss-Bibliothek bestimmt“, Wien, ÖStA, HHStA, Kabi-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken