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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 323
an Franz Joseph bittet dieser: „Da für die allerhöchste [franzisco-josephini-
sche] Privatbibliothek, die als Praenumerant auf das Werk erscheint, keine
Dotation besteht, aus welcher die Rechnung beglichen werden könnte, so
wagt der in tiefster Ehrfurcht unterzeichnete dieselbe mit der unterthänigs-
ten Bitte [um Begleichung] vor zu legen“, was Franz Joseph auch geneh-
migt.1038
Um auch für diese Ausgaben ein fixes Budget zur Verfügung zu haben, ge-
währt Kaiser Franz Joseph auf Beckers Anregung hin schließlich mit 1. Jän-
ner 1871 eine Dotationspauschale von jährlich 600 fl. aus seiner Privatkasse
„zur Bestreitung jener Auslagen, die mit ihrer Instandsezung [sic] und Fort-
führung unabweislich verbunden sind […] über welche der Bibliotheksvor-
stand ordnungsgemäß Rechnung zu legen hat“.1039
Der zweite, die Finanzen tangierende Aspekt in Beckers Arbeitspro-
gramm betrifft die Erstellung eines gedruckten Realkatalogs über die Be-
stände der späterhin vereinigten Familien-Fideikommissbibliothek.1040
Becker wird dafür vom Kabinettsdirektor Franz Josephs, Adolf Braun, am
10. März 1871 ein Sonderbudget von 6.000 fl. „zur Adjustirung der vorhan-
denen ungebundenen Bücher und nicht aufgezogenen Karten, dann zur
Bestreitung der Kosten für den […] Katalog“ in Aussicht gestellt und von
Ferdinand am 13. März genehmigt.1041 Hier zeigt sich eindrucksvoll jene Di-
chotomie zwischen Entscheidungsbefugnis und praktischer Beschlussfas-
sung bzw. Umsetzung, die in der Periode zwischen 1848 und 1875 mehrfach
zu beobachten ist. Braun als Beamter des Hofstaats Franz Josephs verkün-
det im Namen seines kaiserlichen Herren Verfügungen über Geldmittel aus
einer Kasse, die sich im Besitz Kaiser Ferdinands befindet. Relativierend sei
hinzugefügt, dass Ferdinand – nach Aussagen seines Privatsekretärs Franz
Geringer – „alle Rechte Seiner Administrazion im September […] [1870] an
Seine Majestät den regierenden Herrn übertragen hat“.1042 Dass die ferdin-
andeischen Beamten dennoch in den Sachverhalt involviert sind, zeigt die
abschließende Bemerkung Brauns hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise
bei der Verwendung des Sonderbudgets. Er lässt Becker wissen: „Weitere
Mittheilungen hierüber werden Ihnen von dem Herrn Intendanten des Hof-
staats Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand, Hofrathe von Geringer zuge-
hen“.1043
1038 FKBA26157.
1039 FKBA27013, fol. 1r, Schreiben vom 04.02.1871 (nachträglich genehmigt).
1040 Vgl. Abschnitt 5.7.
1041 FKBA27004, fol. 3v bzw. FKBA27005.
1042 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 6, 9–1871, Schreiben vom
28.02.1871.
1043 FKBA27004, fol. 3v–4r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken