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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN326
und es bleiben für den zweiten Teilband nur etwa 1.400 fl. zur Verfügung.1054
Die zu treffenden finanziellen Entscheidungen veranlassen Franz Joseph zu
einer grundlegenden Umstrukturierung. Er verfügt, dass vom Jahre 1876
angefangen „sämmtliche Auslagen der Centralregie der k. k. Familien- und
der Allerhöchsten Privatbibliothek, nemlich die Bezüge des Personals, der
Hilfsarbeiter, die Kanzlei- und Reinigungskosten aus der Fideikommißkassa
bestritten, [und] am Schluße eines jeden Jahres aber ein Fünftheil dieser
Auslagen dieser Cassa von der Allerhöchsten [franzisco-josephinischen] Pri-
vatkassa rückvergütet werde“. Des Weiteren sei die Bezahlung eines Pau-
schalbetrages von 50 fl. aus derselben Privatkasse ab sofort einzustellen
(die Zweckwidmung dieses Betrages ist aus den Akten nicht ersichtlich). Als
Ausgleich werde der bisher aus der (Falkenstein’schen) Fideikommisskasse
ausgefolgte Pauschalbetrag von monatlich 170 fl. (vermutlich die Dotation
für Handauslagen) auf 200 fl. (jährlich 2.400 fl.) erhöht. Die von Becker er-
betene kurzfristige Aufstockung der Dotation für die Privatbibliothek Franz
Josephs um 2.400 fl. für das Jahr 1876 wird mit der Auflage genehmigt, zu-
nächst das Kassaguthaben von 1.867 fl. 47 kr. aufzubrauchen. Zuletzt wird
für den Druck des zweiten Teils des zweiten Bandes ein Budget von maxi-
mal 5.000 fl. aus der franzisco-josephinischen Privatkasse bereitgestellt.1055
Franz Joseph gibt sich hier schon ganz als Fideikommissherr, obwohl er
es immer noch nicht ist. Auf Ferdinand folgte ja zunächst noch Erzherzog
Franz Karl, auch als Falkenstein’scher Fideikommissherr und Besitzer der
Fideikommisskasse. Man darf jedoch getrost annehmen, dass Franz Josephs
Vater ihm diese Agenden genauso bereitwillig überantwortet hat, wie dies
bereits zuvor Ferdinand zu einem großen Teil getan hatte. Und dennoch ver-
folgt auch Franz Karl – oder zumindest seine Beamten – die Vorgänge um
werdende Familien-Fideikommissbibliothek. Sein Sekretär Christoph von
Columbus bittet Becker um Auskunft zu den Zentralregieausgaben in den
vier genannten Rubriken (Personal, Hilfsarbeiter, Kanzlei- und Reinigungs-
kosten) für das abgelaufene Jahr 1875, „um ein annäherungsweise richtiges
Präliminare rücksichtlich dieser bevorstehenden Auslagen für das laufende
Jahr machen und unterthänigst vorlegen zu können“.1056 Becker beziffert
die Personalausgaben mit 11.785 fl. 50 kr., jene der beiden Hilfsarbeiter mit
1.200 fl. und die Kanzlei- und Reinigungsausgaben mit insgesamt 1.196 fl.
38 kr.1057
1054 FKBA28025, fol. 2v. Der Lösungsvorschlag Beckers ist nicht überliefert, da die letzten
Konzeptseiten seines Berichts fehlen.
1055 FKBA28026, fol. 1–2.
1056 Ebenda, fol. 4r–v.
1057 Ebenda, fol. 5r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken