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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 333
Peter Thomas Youngs, in dessen Fußstapfen er de facto bereits 1828 getre-
ten ist. 1831 ist er zwar von Franz I. zum Kustos ernannt worden, Khloyber
hat sich seit Youngs Tod 1829 in der Korrespondenz gelegentlich aber auch
als (Bibliotheks-)Vorsteher bezeichnet, obwohl ihm diese Funktion bisher
nur provisorisch übertragen worden ist.1077 Er vergleicht den ihm zugewie-
senen Zuständigkeitsbereich mit jenem des Geheimsekretärs Napoleons,
Agathon Baron Fain, wobei seine Ausführungen jenen ähneln, die er bereits
1835 anlässlich des Todes Franz’ I. verfasst hat.1078 Eine Reaktion Ferdin-
ands bleibt zunächst aus. Wenige Monate später, im Juli 1855, trägt Khloy-
ber Kaiser Ferdinand ein Ansuchen seiner ihm Untergebenen vor. Skriptor
Georg Thaa und Kanzlist Josef Winkler bitten um Erhöhung ihres derzeiti-
gen Quartiergelds (120 fl.) und begründen ihr Ansinnen mit der allgemeinen
Teuerung in der Haupt- und Residenzstadt. Khloyber versucht mit einer all-
gemeinen Schilderung des Wohnungsmarktes Schützenhilfe zu leisten und
führt eine ähnliche Begünstigung für die Angestellten der Hofbibliothek ins
Treffen. Schlussendlich nimmt er diesen Anlass wahr, um zum einen an sein
eigenes Titelgesuch zu erinnern, welches er mit der Begründung zu unter-
mauern versucht, „daß auch in der Privatbibliothek Seiner kaiserlichen Ho-
heit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Albrecht es von jeher üblich
ist, den Vorstand mit Director zu bezeichnen, obgleich ihm ausschließlich
nur die erzherzogliche Kupferstichsammlung in dieser Anstalt zugewiesen
ist, während in der kaiserlichen Privatbibliothek nicht bloß die reiche Kup-
ferstichsammlung [sondern auch] die weit zahlreichere Bibliothek, und die
sehr beträchtliche Sammlung der Landkarten und Pläne dem Vorstande
anvertraut sind“.1079 Zum anderen schlägt er vor, den veralteten „Kanzlis-
ten“-Titel Winklers in „Offizial“ abzuändern. Durch den Intendanten Fer-
dinands, Hofrat Franz Geringer, werden im Oktober 1855 sowohl die Abän-
derungswünsche hinsichtlich der Titelbezeichnungen als auch die erbetene
Erhöhung der Quartiergelder zurückgewiesen. Letztere mit dem Hinweis
darauf, dass Thaa und Winkler erst 1848 jährliche Personalzulagen von je
200 fl. C.M. erhalten hätten und Erstgenannter darüber hinaus noch einen
Erziehungsbeitrag für seine beiden Söhne aus der Privatkasse Ferdinands
beziehe. Auch der Vergleich mit den Gehältern der Hofbibliotheksangestell-
ten sei nicht statthaft, da Thaa mehr verdiene als der älteste dortige Skrip-
tor und Winker als Kanzlist mehr als die jüngeren Skriptoren.1080 Erst im
Jahr 1863, wahrscheinlich nach einem weiteren Anlauf – ein Gesuch fehlt –
1077 Zur Ernennung zum Kustos siehe FKBA15139, fol. 2r.
1078 Vgl. Abschnitt 3.1.1.
1079 FKBA26042, fol. 3r–v.
1080 Ebenda, fol. 6r–v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken