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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN344
eine unverdiente Kränkung zu ersparen“ rät er, nebst der Verleihung des
Ritterkreuzes des Franz-Joseph-Ordens eine Zulage von 200 fl. zu gewähren,
die, um das Gesamtbudget für die Bibliothek nicht zu überschreiten, damit
finanziert werden könnte, dass man das Gehalt des ersten Bibliotheksdien-
ers (dem die Naturalwohnung zur Verfügung steht) anlässlich der nächsten
Besetzung statt der bisherigen 800 fl. mit nur 620 fl. normiert.1107 Im eben-
falls informellen Antwortschreiben vom 10. Juni 1869 bittet Geringer da-
rum, dass Braun die Amtseinführung und Vorstellung Beckers beim Biblio-
thekspersonal vornehmen möge, da er die notwendige Autorität besitze, „an
das Personale einige eindringliche Worte [zu] richten, die dem neu Ernann-
ten seine Stellung erleichtern könnten“. Er, Geringer, denke nämlich nicht,
„daß Thaa Vater, die Sache so leicht hinnehmen wird“. Da eine persönliche
Unterredung mit Becker nicht möglich sei, so bittet Geringer weiters darum,
den neuen Vorstand auf Einiges hinzuweisen. Zunächst sei es unabdingbar,
die „Zügel der Disciplin“ straffer anzuziehen, da Khloyber neben einigen gu-
ten Eigenschaften die schlechte Angewohnheit hatte, „sich unabhängig zu
benehmen und […] auch seine Untergeordneten daran gewöhnt zu haben“.
Georg Thaa beispielsweise habe ihm (Geringer) bald nach Khloybers Tod in
einem Bericht als provisorischer Leiter eröffnet:
„Sobald die ziemlich bedeutenden Rückstände, welche erst jetzt in Vorschein
gekommen sind, werden aufgearbeitet und eine Ordnung hergestellt sein,
werde ich mir erlauben, das hohe Obersth. Amt [wohl Obersthofmeisteramt]
vor Allem um den Erlaß einer Dienstes Instrukzion (wofür ich mir erlauben
werde, einen Entwurf einzusenden) für Beamten und Diener gehorsamst zu
bitten, um einerseits das Verhältniß dieser zu einander und die ganze Ge-
schäftsführung nach bestimmten Normen regeln zu können und hiedurch dem
Umstande vorzubeugen, daß Geschäftsgebarung, Beamte und Diener lediglich
von der jeweiligen Laune des Vorstandes abhängig gemacht werden“.1108
Diese Worte würden „an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig“ lassen. Be-
cker wäre des Weiteren darauf hinzuweisen, dass er sich in Geldangelegen-
heiten und Personalfragen nie an den Fideikommisskurator, sondern stets
an ihn, Geringer, zu wenden habe. Der neue Vorsteher möge mit der vom
ehemaligen ferdinandeischen Obersthofmeister Clemens Graf Brandis1109
1107 Ebenda, Schreiben vom 02.06.1869.
1108 Ebenda, Schreiben vom 10.06.1869.
1109 Tatsächlich hatte nicht Brandis, sondern sein Amtsnachfolger, Charles-René Graf Bom-
belles, diese Obergrenze mit Schreiben vom 07.11.1852 kundgemacht, vgl. FKBA26018,
fol. 5r–v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken