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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 345 -
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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 345 einst festgesetzten Gesamtdotation (12.000 fl.) das Auslangen finden und am Ende eines jeden Kalenderjahres („Solarjahres“) einen Rechenschaftsbericht nach Prag senden. Geringer meint schlussendlich: „Herr von Becker soll ja nicht glauben, daß ich ihn von Hieraus gängeln wolle, oder wünsche, alle Augenblicke von ihm Anfragen oder Berichte zu erhalten. Ich habe der Geschäfte genug und geize nicht nach Einfluß. Aber wenn ich gefragt werde, ob ich die Uiberzeugung habe, daß bei der Bibliothek in Wien mit dem Gelde Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand gut gebart werde, will ich mit gutem Gewissen ein bestimmtes Ja antworten.“1110 Aus dem Brief geht weiters hervor, dass es anscheinend zumindest einen weiteren Bewerber für den Vorstandsposten gab. Geringer berichtet zu- nächst etwas kryptisch von einem Gesuch, welches inzwischen glücklicher- weise gegenstandslos geworden sei, denn er würde „Anstand genommen haben, einzurathen, den Bruder des Redacteurs des Kikeriki1111, in die aller- höchste Privatbibliothek zu berufen. Er wird gewiß ein recht braver Mann sein, aber verwandtschaftliche Verhältniße lassen sich nun einmal nicht aufheben, und daß Herr O. Berg [Pseudonym für den Redakteur Ottokar Franz Ebersberg] in Hofkreisen anzuknüpfen sucht, weiß ich aus eigener Erfahrung.“1112 Nun, da alles abgesprochen ist, richtet Geringer – ebenfalls am 10. Juni 1869 – die offizielle Bitte an Braun, das Einverständnis Kaiser Franz Jo- sephs und Erzherzog Franz Karls bezüglich der Wahl Beckers zum neuen Bibliotheksvorsteher einzuholen. Gleichzeitig wird das neue Besoldungssys- tem überreicht, wobei Geringer nochmals explizit festhält, dass die Gehalts- kürzung für den ersten Bibliotheksdiener erst anlässlich einer Nachbeset- zung wirksam werde. Im alleinigen Ermessen Franz Josephs liege es, einem oder beiden Skriptoren eine Auszeichnung zukommen zu lassen. 1110 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 5, 4–1869, Schreiben vom 10.06.1869. 1111 Wiener Satirezeitschrift, Erscheinungszeitraum 1861–1933. 1112 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 5, 4–1869, Schreiben vom 10.06.1869. Vielleicht handelt es sich bei dem Bruder um den Offizier und Schriftsteller Karl Julius Ebersberg (1831–1870). Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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