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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 347
Auf die offizielle Anfrage Brauns an Franz Joseph vom 16. Juni 1869 resol-
viert der Kaiser am 17. – der exakten Handlungsabfolge Rechnung tragend –
förmlich und eigenhändig: „Ich genehmige die bejahende Beantwortung der
Anfrage wegen Schulrath Becker, ebenso den seinerzeitigen Auszeichnungs
Antrag für Skriptor Thaa“.1115 Am 19. Juni gehen wiederum zwei Briefe,
diesmal von Kabinettsdirektor Braun, der sich mit seiner Familie in Aus-
see befindet, an Geringer in Prag. Im offiziellen Schreiben wird das Einver-
ständnis Franz Josephs und Franz Karls sowie die bevorstehende Ehrung
für Thaa mitgeteilt, im inoffiziellen erklärt sich Braun gerne bereit, Beckers
Amtseinführung vorzunehmen, wobei er konkret darum bittet:
„Sollten Euer Hochwohlgeborn auf einen oder den anderen Punkt in der An-
sprache an die Beamten bei diesem Anlasse besonderen Werth legen, bedarf
es nur eines Winkes. Die Andeutungen für Becker’s [sic] mündliche Instrui-
rung werde ich mir zur genauen Richtschnur dienen lassen. Bei dessen Eifer,
Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit steht das Beste für seinen neuen Wir-
kungskreis zu erwarten.“1116
Geringer antwortet ebenfalls in zwei Briefen vom 27. Juni 1869 mit beinahe
identem Inhalt, wobei der inoffizielle wohl an den aktuellen Aufenthaltsort
Brauns geschickt wurde, der offizielle hingegen für seinen Dienstort in der
Wiener Hofburg bestimmt war. Geringer teilt darin mit, dass Ferdinand Be-
cker mit Entschließung vom 26. Juni zum Vorstand der Fideikommissbiblio-
thek ernannt habe und die Privatkasse in Wien, der Fideikommisskurator
sowie das Obersthofmarschallamt bereits davon verständig worden seien.
Ferdinand habe ebenfalls den Wunsch geäußert, dass Braun Becker in sein
Amt einführen und dem Personal vorstellen möge.1117 Am 1. Juli entscheidet
Franz Joseph, dass Georg Thaa das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens
verliehen bekommen soll.1118 Eine ähnliche Auszeichnung für den zweiten
Skriptor Winkler unterbleibt jedoch vorerst, wohl deshalb, da dieser wenig
später sein 50. Dienstjahr vollenden und im Zuge dessen eine Auszeich-
nung erhalten wird. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass der
erste Bibliotheksdiener Josef Wich bereits Ende Mai 1869 mit dem goldenen
Verdienstkreuz ausgezeichnet wurde, ein Akt der wohl ebenfalls mit dem
1115 Ebenda.
1116 Ebenda, beide Schreiben.
1117 Ebenda, beide Schreiben. Vgl. auch eine Abschrift unter FKBA26127, in der festgehalten
wird, dass sich das Original des Ernennungsdekrets in Beckers Händen befindet.
1118 Verlautbart in der Wiener Zeitung Nr 152 v. 06.07.1869, Titelseite; vgl auch FKBA26128.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken